Pia Heckes

Spaziergang durch die Muffendorfer Geschichte

VON DER ALTSTEINZEIT INS 21. JAHRHUNDERT

Einleitung Vorgeschichte Antike Mittelalter Neuzeit Literatur

Muffendorf im Mittelalter

Das Zeitalter der Merowinger - das 6. bis 8. Jahrhundert

Um das Jahr 507 kommt es in Gallien zur entscheidenden Schlacht gegen die Westgoten. Chlodwig gelingt es, die unterschiedlichsten Stämme im Kampf gegen die Goten zu einen, dazu gehörten auch die rheinischen Franken. Nachgewiesen ist, dass „Chloderich, der Sohn des rheinischen Frankenkönigs Sigibert, ... an der Seite Chlodwigs <kämpfte>“ (Becher 2011, S. 230). Somit kann für die Zeit um 500 eine Beziehung der rheinischen Frankenkönige zu Chlodwig als sicher gelten. Der Stadt Köln kommt für die Frankenzeit eine besondere Bedeutung zu, denn Köln hatte eine eigene Königstradition, also eigene Herrschaftsstrukturen, die sich auch auf das gesamte Ripuarien auswirkten. Nach 508 beseitigte Chlodwig eine große Zahl fränkischer Konkurrenten, die ihm die Macht hätten streitig machen können, in dem er sie nach den Schilderungen Gregors von Tours eigenhändig erschlug. Als er in Köln einzog, leugnete er die Verantwortung für die Verbrechen, schuf eine Legende, und das Volk Kölns hob ihn auf den Schild. So will es die Fama, dass Chlodwig der erste umjubelte katholische König Kölns wurde und das Land am Rhein nach seinen Vorstellungen zu ordnen begann. Dazu gehörte auch die Kodifizierung von Recht.

Die „Lex salica“ des 6. Jahrhunderts spiegelt kleinbäuerliche Lebenswelt wider, sie ist der Versuch Rechtssicherheit für die in den eroberten Ländereien angesiedelten Franken zu schaffen. Ihr Geltungsbereich war das Land zwischen Kohlenwald und der Loire, wie Becher schreibt (2011, S. 261). Immerhin setzte sich Chlodwig mit dieser Gesetzgebungsinitiative in die Tradition der römischen Kaiser, dies war der eigentliche Anspruch hinter dem ehrgeizigen Werk.

Ewig sieht die Organisation des ripuarischen Herzogtums bereits bei Theudebert I. (*533 †547) oder sogar schon bei dessen Vater Theuderich I. als weit fortgeschritten an. Theudeberts Frau Wisigarde verstarb um 537. Es ist vermutlich ihr Grab, das bei archäologischen Untersuchungen unter dem Kölner Dom gefunden wurde. Die Grabbeigaben lassen den Schluss zu, dass hier eine fränkische Königin bestattet wurde, die Forschung geht heute davon aus, dass dies Wisigarde ist. Theuderich und Theudebert sind auch in anderer Hinsicht beide für die Geschichte Kölns wichtig, denn sie ließen in Köln eine Münzstätte errichten, „solidi“ (Goldmünzen) mit dem Abbild dieser fränkischen Könige zeugen davon. In der älteren Literatur zu den Franken findet man eine Kontroverse um die Frage, ob es bereits im 5. oder 6. Jahrhundert einen grundbesitzenden Adel bei den Franken gegeben hat. (Corsten, Severin: Rheinische Adelsherrschaft im ersten Jahrtausend, in: Rheinische Vierteljahresblätter 1963, S. 85, 86) Die neueren Funde fränkischer Gräber in Muffendorf mit wertvollen Grabbeigaben, u.a. Almandinen-Schmuckstücke, lassen zumindest für den angenommenen Bestattungszeitraum 6./7. Jahrhundert auf eine Schicht begüterter Franken schließen. Auch das in seinen Grundzügen erhaltene spätantike Steuersystem, das von den Merowingern übernommen worden war, erlaubt Rückschlüsse darauf, dass ein gewisser Wohlstand im Reich der Franken herrschte (Becher 2011, S. 241).

Ungefähr 100 Jahre später, zur Zeit Dagobert I. (*um 608 †638/639) und des Kölner Bischofs Kunibert (*um 600 † 664), erlebte Ripuarien die Kodizifizierung von Recht. Eine erste geschriebene Gesetzessammlung (Lex Ribuaria) entstand um das Jahr 633 (Ewig, S. 29). Geht man davon aus, dass diese Zeit eine Zeit des relativen Friedens in Ripuarien gewesen ist, während wohl im gesamten Reich der Merowinger unsichere Machtverhältnisse ohne funktionierende Zentralverwaltung herrschten, vermag man sich durchaus vorzustellen, dass neben der verschriftlichten Rechtsetzung (Gesetzesformulierung) auch die Strukturierung des Landes eine gewisse Rolle spielte. Die Gründung königlicher Höfe, die teilweise mit der Schaffung von Eigenkirchen einherging, die Gründung einer großen Zahl von Klöstern und die Einsetzung von engen Vertrauten als Bischöfe kennzeichnen das 7. Jahrhundert im Merowingerreich. Der Straßenbau und damit die Erschließung bzw. Umgehung auch der großen Wälder in der Umgebung Kölns, hier sei der Kottenforst als Beispiel genannt, spielte dabei eine zunehmend wichtigere Rolle. Dabei darf nicht übersehen werden, dass die Bevölkerungsdichte etwa um die Mitte des 5. Jahrhunderts (Hunneneinfälle) ihren Tiefpunkt erreicht hatte, wie Ewig schreibt. So konnten die einwandernden Franken sich die besten freien Siedlungsorte sichern, ohne eine Verdrängungspolitik Alteingesessenen gegenüber betreiben zu müssen. Ein Zusammenwachsen, ein Verschmelzen der romanischen mit der fränkischen Bevölkerung wird heute als gesichert angesehen.

In der Zeit um 700 sind im Bonner Umland zahlreiche Funde anglofriesischer Silberpfennige nachgewiesen, Ewig schließt daraus, dass die Friesen ihre Handelswege bis zum Rhein ausgedehnt hatten. Das Ripuarien des 7. Jahrhunderts scheint also ein lohnendes Ziel für die aus dem Frankenreich kommenden Händler gewesen zu sein. Dies setzt einen gewissen Wohlstand voraus. Woraus resultierte dieser Wohlstand? Er wird in erster Linie durch eine wohl organisierte Landwirtschaft entstanden sein, die sowohl durch Sklavenarbeit wie durch die Organisation in Herrenhöfe und abhängige Bauernschaft (Mansen) geprägt war. Die Herrenhöfe entstanden oft aus den Schenkungen königlicher „Villae“, also von Königsgütern. Diese Organisationsform erlebte unter den Karolingern dann eine Blüte (s. Ewig 1993, S. 179, 180), beginnend mit Pippin dem Mittleren (*um 635 †16. Dezember 714) und seiner Gattin Plektrudis († nach 717) (s. Dietmar/Trier, S. 179, 180, Köln 2011).

Die Karolinger

Um die frühe Zeit der Karolinger und ihren Einfluss auf das Rheinland zu erhellen, muss wiederum nach Köln geblickt werden. Die Ereignisse nach dem Tod Pippins des Mittleren sind sehr plastisch geschildert bei Dietmar/Trier (S. 182 ff.). Die Autoren machen deutlich, wie Karl Martell (*688 †22.10.741)seinen Aufstieg schaffte, und welche Rolle Köln dabei spielte. Die Geschichte Bonns liegt für das 8. Jahrhundert weitgehend im Dunkeln, nur für das Jahr 753 ist ein Aufenthalt Pippins des Jüngeren (*714 †24.9.768), des Vaters Karls des Großen (wohl *2.4.747/748 †28.1.814), in Bonn erwähnt. Damals war Köln ein wichtiges politisches Zentrum im östlichen Frankenreich, wenn nicht sogar das wichtigste Machtzentrum, nicht zuletzt wegen seiner strategischen und handelsgünstigen Lage am Rhein. Die neueren Ausgrabungsfunde im Süden des alten Domes lassen darauf schließen, dass es sich bei der großen Hofanlage, deren Fundamente erkennbar wurden, um eine karolingische Pfalz handelte, die unmittelbar neben dem alten Dom errichtet worden war. Dazu passt ebenfalls, wie Dietmar/Trier analysieren, der Befund, dass die Dombibliothek bereits in der ersten Hälfte des 9. Jahrhunderts über 175 Handschriften verfügte, eine große Zahl, die auf ein gebildetes Lesepublikum im Umfeld der Bischofskirche und der Königspfalz schließen lässt.

Exkurs: Das Martinspatrozinium in Muffendorf

Der Mantel des Hl. Martin (lat. cappa) gewann seit dem frühen Mittelalter eine besondere Bedeutung. Er gehörte seit der Merowingerzeit Chlodwigs zum Kronschatz der fränkischen Könige. Diese führten ihren Kronschatz mit den bedeutenden Reliquien auf ihren Wanderungen von Königshof zu Königshof mit sich. Die Reliquien wurden als Heilsbringer in Schlachten mitgeführt. So soll der Mantel des Hl. Martin als Banner im Schlachtgetümmel gedient haben. Vom Begriff „Cappa“ wurde in späterer Zeit das Wort „Kapelle“ hergeleitet.

Die Mantelreliquie des Hl. Martin (*um 316/317 † 8.11.397), der die ersten Klöster in Gallien gründete, gehörte im Mittelalter zu den bedeutendsten (politischen) Reliquien Mitteleuropas überhaupt. Martin von Tours gründete die ersten Klöster in Gallien und wurde zum bedeutensten Heiligen der merowingisch-fränkischen Könige. Noch im 8. Jahrhundert zog ein riesiges Heer von Sarazenen gegen Tours, um die Basilika des Hl. Martin und die „Cappa“ zu vernichten. Die Sarazenen erlitten in der Schlacht bei Tours und Poitiers (Oktober 732) eine vernichtende Niederlage. Der Ruf dieser Reliquie, von der berichtet wird, sie sei als Banner mit in die Schlachten der Merowingerkönige geführt worden und habe Chlodwig 496 bei Zülpich zum Sieg verholfen, und dieses Erlebnis habe ihn zum christlichen Glauben bekehrt, machte sie gleichsam zum wirkmächtigen Symbol des merowingisch-fränkischen Königtums. Und sie blieb es bis in die Neuzeit hinein. Die Legende weist erstaunliche Parallelen zur Bekehrung Kaiser Konstantins auf (...in diesem Zeichen wirst Du siegen...), wahrscheinlich handelt es sich um eine zum christlichen Topos gewordene Legende.

In diesem Zusammen interessant ist auch, dass Chlodwig nach dem Sieg in der Schlacht bei Zülpich am Grab Martins in Tours das Taufversprechen ablegt, um sich noch Weihnachten des gleichen Jahres taufen zu lassen (Becher 2011, S. 176 ff.). Aber auch Karl der Große sah weit später noch das Martinskloster in Tours als bedeutende Stätte seines Wirkens. Seinen Lehrer Alkuin entsandte er 796 (genau 300 Jahre nach der Schlacht bei Zülpich) dorthin und machte ihn zum Abt dieses Klosters, das die Tradition der merowingischen Könige mit den Reliquien des Hl. Martin so augenscheinlich bewahrte.

Das Grab Martins in der untergegangenen Basilika in Tours wurde noch 1562 als das zentrale Symbol der katholischen Königsmacht in Frankreich gesehen und deshalb von den Hugenotten zerstört. Dabei gingen auch viele weitere Reliquien verloren, nur die Reste des einstmals bedeutenden Reliquienschatzes werden heute in der neuen St. Martinskirche in Tours aufbewahrt.

Möglicherweise haben wir es mit Alt St. Martin in Muffendorf also sogar schon mit einer merowingischen Kirchengründung zu tun, die den Übergang von der Spätantike zum fühen Mittelalter architektonisch markiert. Auch der umgewidmete römische Dianastein des Gaius Scribonius der 1. Minervischen Legion (ab 83 bis ca. 295 in Bonn nachzuweisen), der sich 1910 im Seitenaltar eingemauert fand, spricht für diese These, ebenso wie die fränkischen Gräber unterhalb des Kirchenbodens, die schon weiter oben erwähnt wurden (s. hierzu auch: Schmidt, Rudolf: Zur Inschrift des Dianasteins in Muffendorf, in: Godesberger Heimatblätter 47, S. 4). Ein sehr starkes Argument ist auch der Fund des römischen Estriches unter den Sarkophagen, den Groeteken erwähnt (1956 II, S. 50). Auf den besonderen Zusammenhang des Martinspatroziniums mit den Merowingern wurde bereits hingewiesen. Nun stellt sich die Frage, in welcher Zeit die Umwidmung eines römischen Weihesteines zum Altartisch einen kultisch-spirituellen Sinn gehabt haben könnte. Denn der Dianastein wurde nicht als bedeutungsloses Baumaterial verwendet, sondern als Spolie in den Altartisch, den Ort der Wandlung, eingebaut. Dies kann nur in einer Zeit sinnvoll gewesen sein, in der die antiken Kulte noch erinnert und vielleicht auch noch gefeiert wurden. Also könnte bereits im Zuge der fränkischen Landnahme eine römische „Villa“ mit dem Gedenkstein, der der Göttin Diana geweiht gewesen ist, umgewandelt worden sein in den Hof eines fränkischen Noblen mit kleiner Eigenkirche. Sinn würde dies gemacht haben in der Zeit als Theuderich und Theudebert Köln zur Münzstätte erhoben und Ripuarien formten, also etwa um die Mitte des 6. Jahrhunderts. Eine Zeit, in die auch die Grabfunde am Lyngsberg teilweise zu datieren sind (Müssemeier 2004). Ebenfalls sinnreich wäre dies noch gewesen zur Zeit des Bischofs Kunibert von Köln (*um 600, †um 664), der über seine Ausbildung in Metz eng mit dem merowingischen Herrscherhaus verbunden war.

Gut dokumentiert ist ein neuerer Fund eines fränkischen Gräberfeldes in Muffendorf, das ins 6./7. Jahrhundert datiert wird.  Drei steinerne Sarkophage mit wertvollen Grabbeigaben aus der Frankenzeit wurden gemeinsam mit insgesamt 13 Gräbern unterhalb des Steinbruchs am Lyngsberg geborgen. Allerdings muss das Gräberfeld größer gewesen sein, denn etliche Knochenfunde waren zuvor schon mit dem Abraum der Baumaßnahme auf eine Deponie in der Nähe von Villip gebracht worden. Die Funde werden aufgrund der Grabbeigaben in die Zeit zwischen 565 und 650 datiert (RhAB). Weitere fränkische Gräber sind in den 30er Jahren am Lehnpütz gefunden worden, dort kam ein grauer Knickwandtopf zum Vorschein (BJb 162, S. 581).

Man darf getrost davon ausgehen, dass Muffendorf, auch wegen seiner klimatisch bevorzugten, geschützten Lage über Jahrtausende, ja über hunderttausende Jahre, besiedelt gewesen ist, wenn auch sicher nicht mit vollkommener Kontinuität. Seit der Verarbeitung der „Muffendorfer Chalzedone“ durch altsteinzeitliche Nomaden (ca. 170.000 v. Chr.), über die Kelten, Römer und Franken bis ins beginnende Mittelalter reichen die Artefakte aus vorgeschichtlicher Zeit, die dies belegen. Ein erster dörflicher Siedlungskern im Mittelalter wird die engere Umgebung der alten St. Martinskirche gewesen sein. Ein späterer Siedlungskern wird die mittelalterliche Burg gewesen sein, auf die später noch genauer eingegangen wird. In fränkischer Zeit hat man sich eine lockere Bebauung mit geschlossenen Hofanlagen vorzustellen. Schriftliche Quellen, die Muffendorf direkt betreffen, gibt für diesen Zeitraum nicht. Das ändert sich mit dem Zeitpunkt, an dem Muffendorf mittels eines Steuererlasses eine Rolle in der mittelalterlichen Geschichte spielt, und eine erste Schriftquelle dies belegt.

Das frühe Mittelalter

Manches lässt sich aufgrund der quellenmässigen Überlieferung nur schlaglichtartig darstellen. Denn zahlreiche Klosterarchive bzw. –bibliotheken wurden in den Normanneneinfällen um die Jahre 881/882 vernichtet, so dass wir über das Rheinland aus der Zeit vorher nur spärliche durch Archivalien belegte Kenntnisse haben. Dennoch ist es möglich, die größeren historischen Bezüge herzustellen und die Muffendorfer Geschichte in die Geschichte des Rheinlands einzubetten. Wichtige Quellenarbeit hierzu hat bereits Alfred Wiedemann in seiner Geschichte Godesbergs geleistet. Seine Arbeit muss als unbedingt ergänzend zu der vorliegenden Arbeit gesehen werden.

Im späten 9. Jahrhundert erscheint eine erste Urkunde, in der Muffendorf Erwähnung findet. Am 13. Juni des Jahres 888 besiegelte König Arnulf von Kärnten (ab 896 dt. Kaiser) eine Abschrift einer älteren Urkunde Kaiser Lothars II. (*um 835, †8.8.869), heute gilt diese ältere Urkunde, die zwischen 855 und 869 ausgestellt wurde, als verloren (MGH = Monumenta Germaniae Historica, DD Arn Nr. 31, S. 45). Diese Abschrift bestätigte, dass die „Aachener Nona“, das ist der neunte Teil aller Einkünfte, eine Grundsteuer, von Muffendorf, wie auch von 42 weiteren  Gemeinden, an das Aachener Marienstift zu leisten sei.

„Die Vergabe von Nonen in Aachen durch Lothar II. ist vor dem 13. Jahrhundert die einzige frühe Schenkung von Reichsgut an das Marienstift, für die zugleich auch eine Beurkundung gesichert ist“ (Nolden, S. 50). Damit steht fest, dass die Muffendorfer Schenkung aus älterem Reichsgut bestand, also aus kaiserlichem Besitz. Das Aachener Marienstift war seit seiner Gründung durch Karl den Großen eng mit dem karolingischen Herrscherhaus verbunden und ist daher besonders reich ausgestattet worden. Die karolingische Verwaltung hatte also Muffendorf bereits spätestens zu Lebzeiten Lothars II. erfasst. Ein karolingisches Königsgut kann man nach Nolden als sicher für Muffendorf annehmen. Zumal bereits Helene Wieruszowski 1926 festgestellt hatte (Reichsbesitz und Reichsrechte im Rheinland), dass der Kottenforst rings um Muffendorf zum umfangreichen Waldbesitz der fränkischen Könige gehörte. Erstaunlicherweise zählt Wieruszowski Muffendorf zu den wichtigen Reichsgütern, in einem Zusammenhang mit Oberwesel, Saarbrücken, Deutz und Koblenz. Leider findet sich keine Begründung für die Annahme in ihrem Text, allerdings verweist sie auf ein Manuskript, das beim Einsturz des Kölner Stadtarchivs (2009) in Mitleidenschaft gezogen wurde, und daher zum jetzigen Zeitpunkt (2012) nicht zugänglich ist. Dies alles macht es wahrscheinlich, dass Muffendorf bereits zur ursprünglichen Ausstattung des Marienstiftes gehörte, das Karl der Große gegen Ende des 8. Jahrhunderts im Zusammenhang mit seiner Pfalz in Aachen gegründet hatte. Auch dies kann als ein Indiz dafür gelten, dass Muffendorf bereits um 800 wirtschaftliche Bedeutung besessen hat, also bereits längere Zeit bewirtschaftet gewesen sein muss.

Muffendorf zahlte den „Neunten“ bis zum Dreißigjährigen Krieg nach Aachen an das Marienstift (NRKB, S. 129), wenn auch in veränderter Form, denn die ursprüngliche None wurde gegen eine feste Zahlung abgelöst. Seit der Mitte des 12. Jahrhunderts fixierte man die Erträge aus Muffendorf und Vlatten (heute Heimbach-Vlatten). Muffendorf und Vlatten zahlten jeweils vor 1191: 2 Kölnische Mark, 2 Pfund Pfeffer, 2 Handschuhe im Wert von 4 Denaren, 2 Nachtschuhe. Nach 1191 zahlten sie: 8 Mark, im Jahr 1546: 30 Goldgulden, Anfang des 17. Jahrhunderts: 30 Goldgulden (Nolden, S. 262). In Vlatten, heute eine Wasserburg in einem kleinen Eifelort, befand sich eine karolingische Königspfalz, die im 12. Jahrhundert mitsamt dem zugehörigen Wald an die Abtei Siegburg geschenkt wurde.

Alt-St. Martin von Südosten (um 1900)
Abb. 8: Alt-St. Martin von Südosten (um 1900)

Wenn man davon ausgeht, dass die ursprüngliche Urkunde Lothars II. etwa um das Jahr 860 ausgestellt wurde, dann sind rund 800 Jahre lang kontinuierlich Erträge an das Marienstift geflossen. Im Laufe der mittelalterlichen Geschichte war es offenbar notwendig, dass sich das Aachener Stift diese Rechte immer wieder durch kaiserliche oder königliche Urkunden bestätigen ließ. „So von Könige Heinrich I. am 5. Juni 930, von Kaiser Otto I. am 16. Februar 966, von Kaiser Friedrich II. im Juni 1226, von Kaiser Rudolf am 24. Oktober 1275, von König Adolf 1292, von König Albrecht 1298“ (Wiedemann, S. 71). Diese Kontinuität schloss auch den Muffendorfer Hof des Marienstifts ein, der von Otto III. dem Kloster Memleben (heute Burgenlandkreis in Sachsen-Anhalt) gestiftet worden war.

Als interessante Tatsache ist zu werten, dass Muffendorf im Jahr 888 erstmals urkundlich erwähnt wurde, denn für die Geschichte des Frankenreiches stellt dieses Jahr eine bedeutende Zäsur dar. Im Jahr 888 war Karl (der Dicke) verstorben, dem es für kurze Zeit gelungen war, das Reich Karls des Großen wieder zu einen. Im Jahr 888 kam es dann aber zum Bruch, der das Reich endgültig in ein östliches und ein westliches Machtgefüge trennte. Arnulf von Kärnten strukturierte den östlichen Teil, zu dem auch Ripuarien gehörte. Und im Rahmen dieser Strukturierung wird Muffendorf seiner Abgaben wegen wohl wieder Erwähnung gefunden haben. Der vorzügliche Kenner der Bonner Kirchengeschichte, German Hubert Maaßen, schrieb bereits 1898 eindeutig: „Muffendorf war eine königliche Villa der Karolinger“ (Geschichte der Pfarreien des Dekanates Bonn, S. 286). Dies will heute als eine durchaus korrekte Einschätzung erscheinen, insbesondere wenn man die Geschichte Vlattens, die über die Aachener Nona mit der Muffendorfs eng verbunden ist, zum Vergleich heranzieht.

In der der neueren Literatur wird vermutet, dass die alte Muffendorfer St. Martinskirche, die 913 zum ersten Mal urkundlich erwähnt wurde, aufgrund der fränkischen Grabfunde unterhalb des steinernen Kirchenbodens aber eine deutlich ältere Tradition hat, eine Fiskalkirche gewesen sei (van Rey 2001, S. 35). Was immerhin auf einigen wirtschaftlichen Wohlstand in Muffendorf schließen ließe, denn die Fiskalkirchen konnten durch ihre Zehnteinkünfte ein Königsgut unterhalten. Für die Reisewege der (früh)-mittelalterlichen Könige mitsamt ihres bedeutenden Hofstaates hätten die Stationen von der wichtigen Pfalz Sinzig aus durchaus heißen können: Muffendorf, Flamersheim, Vlatten, Düren, Eschweiler, Aachen. Und Muffendorf wäre ebenso eine komfortable Etappe von Sinzig nach Bonn zum nächsten karolingischen Königshof gewesen, hätte also doppelte Funktion haben können. So wäre es durchaus wahrscheinlich, dass sich in dem von der Natur so verwöhnten Muffendorf bereits ein karolingischer Königshof befunden hat, wovon die ältere Literatur ausgeht. Möglicherweise sogar, wie durch die oben erwähnte Geschichte der alten Muffendorfer St. Martinskirche gezeigt, ein merowingischer Königshof. Maaßen schreibt dazu: „Die unregelmäßige Verbindung [des Turms mit der Kirche] legt den Gedanken nah, daß in ältester Zeit noch ein anderes Gebäude, etwa der Sitz eines mittelalterlichen Ritters oder eines kirchlichen Officianten der Kirche angebaut war. Nach Lage der Sache könnte man auch an die königliche Villa denken, welche wegen ihrer urkundlichen Grundlage eine gewisse Wahrscheinlichkeit für sich in Anspruch nimmt“ (S. 299, 300). Die fränkischen Bestattungen, die man unterhalb des Kirchenfussbodens während der Restaurierungsphase nach 1910 gefunden hat, spielen nun für die Argumentation eine wesentliche Rolle, denn „in merowingischer Zeit ist es üblich, dass hochadelige Stifter in den von ihnen gestifteten Kirchen beigesetzt werden“ (Ph. Hofmeister, Archiv für katholisches Kirchenrecht, zitiert nach Stadtspuren, Band 1, S. 344). Die Gräber sind leider, wie vieles andere in dieser Zeit, nicht dokumentiert worden. Daher ist nicht eindeutig nachzuweisen, dass es sich um Gräber christlicher Franken handelte. Aber dieser gesamte Zusammenhang lässt doch darauf schließen, dass wir es hier wohl mit einer sehr frühen, möglicherweise merowingischen Kirchengründung zu tun haben. Auch die später (im 9. Jahrhundert) bestätigte Aachener Nona, die von St. Martin in Muffendorf und von St. Dionysius in Vlatten über einen Zeitraum von fast 800 Jahren gezahlt wurde (ab 1191 zahlte das Kloster Siegburg für Muffendorf und Vlatten an Aachen eine Ablösesumme), könnte ein Hinweis auf eine merowingische Vorgeschichte beider Kirchen sein. Denn sowohl Dionysius wie Martin waren fränkische Nationalheilige. Zahlreiche merowingische Könige wurden in der Abteikirche St. Denis (Dionysius) nördlich von Paris seit dem 6. Jahrhundert bestattet, die später zur bedeutenden Grablege der französischen Könige wurde.

Für einen Königshof (spätestens einen karolingischen) und die Tradition der Rechte desselben spricht in jedem Falle weiter auch, dass die Nonenrechte diejenigen Einkünfte waren, die „dem Stift am leichtesten entfremdet werden konnten“ (Nolden, S. 349). Wenn also das Aachener Marienstift über 800 Jahre regelmässig diese Einkünfte aus Muffendorf bezog, so muss die Kontinuität einen Grund gehabt haben, es müssen Strukturen bestanden haben, die verhinderten, dass hier Entfremdung stattfand. Welche Strukturen hätten dies sein können?

Das alte Pastorat in der Martinstraße, 1721 (Zustand 2001)
Abb. 9: Das alte Pastorat in der Martinstraße, 1721 (Zustand 2001)

Zum einen wird die Zugehörigkeit zur Abtei Siegburg ein wesentlicher Grund gewesen sein, aber auch das Königsgut selbst kann über lange Zeit erhalten und bewirtschaftet geblieben sein. Wenn es in einem baulichen Zusammenhang mit der alten St. Martinskirche stand, so wie Maaßen, der vorzügliche Kenner der Bonner Kirchengeschichte (S. 300), dies vermutet, und Strack sich diesem anschließt (1999, S. 14), muss es sich etwa da befunden haben, wo 1721 das alte Pastorat neu aufgebaut wurde. Offenbare Baudetails im Turm der Kirche lassen solche Vermutungen zu. So kann man eine heute vermauerte rundbogige Türöffnung im oberen Bereich erkennen. Halb in den Wänden vertieft sind Wandvorlagen und Kapitelle zu erkennen, die deutlich machen, dass früher hier andere Bauformen und andere Bauzusammenhänge bestanden.

Und wenn bis zum Beginn des Dreissigjährigen Krieges gezahlt worden ist, so kann mit den Unruhen des 17. Jahrhunderts der Niedergang der Landwirtschaft und damit auch das Verschwinden der Nonenzahlung bzw. der Ablösung begründet sein. Bei der Zerstörung Bonns im Pfälzischen Krieg im Jahre 1689 sind die umliegenden Dörfer ebenso in Mitleidenschaft gezogen worden. Wie bereits mehrfach erwähnt, gibt es kaum bauliche Zeugen aus der Zeit davor in Muffendorf. Das spricht für eine Zerstörung des Dorfes in den Kriegswirren gegen Ende des 17. Jahrhunderts.

Zum anderen ist auf die (untergegangene) Burg hinzuweisen, die ebenso eine strukturelle Größe mit herrschaftlichem Anspruch darstellte. Der Hof des Cassiusstiftes, das seit dem Mittelalter in Muffendorf begütert war, die Kommende und später der Siegburger Hof, waren ebenfalls stabilisierende Faktoren der kirchlichen Grundherrschaft nach der Mitte des 11. Jahrhunderts.

Die oben erwähnte Urkunde vom 16. Juni 913 sei hier in Übersetzung wiedergegeben: „Kund sei allen Gläubigen, den gegenwärtigen, wie den zukünftigen, auf welche Weise ich Guntbald, unwürdiger Presbyter, aus dem Besitz des Klosters, das innerhalb der Mauern der Stadt Weilburg; erbaut und zur Ehre der heiligen Gottesmutter und der heiligen Jungfrau Walburga geweiht ist, mit gnädiger Erlaubnis des allerfrömmsten Herrn, des Königs Konrad, und ebenso auch im Einverständnis des Propstes und der anderen Brüder, die Gott und seiner heiligen Gebärerin und der heiligen Jungfrau Walburga dort dienen, zwei rechtmäßige Kirchen empfangen habe, die eine in dem Dorfe Bredebach, im Perfgau, in der Grafschaft Eberhards, die andre in einem Dorfe, Muffendorf genannt, im Gau Punneguwe, in der Grafschaft eines andern Eberhardt, und zwei andre dazu gehörigen Kirchen. Dagegen aber habe ich übergeben und geschenkt an die oben erwähnte Stelle, was ich an Eigentum damals zu besitzen schien in dem vor genannten Dorf Bredebach und in einem andern, welches Gladebach heißt, mit 42 Leibeignen, beiderlei Geschlechts, natürlich in der Absicht, daß ich ohne irgend eines Widerspruchs dies alles oben Genannte, und was es wächst und zunimmt inne habe und besitze auf die Zeit meines Lebens, daß aber nach meinem Tode das Ganze durch Gottes Hilfe verbessert an dasselbe Kloster und in die Nutznießung der Länder unversehrt zurück fallen soll.

Ich, Kanzler Salomon, habe es geschrieben. Geschehen am 16. Juni des Jahres 913, der Fleischwerdung des Herrn“ (nach: Ostrowski, Ursel: Evangelische Kirche zu Breidenbach", Breidenbach 2000).

((„Das Walpurgisstift in Weilburg war ein Benediktiner-Kollegiatstift, das von 912 bis 1555 bestand. Ihm war eine bedeutende Stiftsschule angefügt. Im Jahr 912 gründete der im Jahr zuvor zum König des Ostfrankenreichs gewählte Konrad I. zum Andenken an seinen im Jahre 906 bei Fritzlar in der Babenberger Fehde gefallenen Vater Konrad den Älteren ein Chorherrenstift und ließ neben dem Weilburger Königshof die kleine Stiftskirche St. Walpurgis errichten, die der Jungfrau Maria und der Heiligen Walpurgis geweiht wurde und wohl eher eine Kapelle war. In den folgenden Jahren stattete Konrad das Stift mit reichem Besitz aus eigenem und Königsgut aus, so z.B. im April 914 mit der Taufkirche in Haiger mit Gütern und Zehnten sowie dem Königshof Heigera und im Jahre 915 mit der „Villa Nassova", dem Königshof in Nassau nebst umfangreichem Grundbesitz. In Anlehnung an das auf der Ostseite des Mühlberges über der Lahn gelegene Stift und den südlich angrenzenden ehemals konradinischen Wirtschaftshof entstand die spätere Stadt Weilburg.“ Wikipedia, Stift Weilburg))

Konrad der Ältere wird als Familiennachfahre Arnulfs von Kärnten gesehen. Auf diesem Wege könnte die Muffendorfer Kirche mitsamt dem dazugehörigen Hof an König Konrad I., den Sohn Konrads des Älteren (möglicherweise ein Neffe Arnulfs), gefallen sein, der dieses Königsgut dann nach Weilburg geschenkt haben wird und kurz nach der Gründung des Weilburger Stiftes den Guntbald damit versorgt hat. Dies ist ein sehr handfester Beleg dafür, dass es sich bei der Alten St. Martinskirche um eine Fiskalkirche aus fränkischem Königsgut gehandelt hat. In diesem Zusammenhang interessant ist auch, dass für Muffendorf „zwei andere dazugehörige Kirchen“ erwähnt sind. Ein Hinweis, der für den späteren, Jahrhunderte überdauernden, Streit zwischen Muffendorf und Mehlem wichtig wäre?

Der in der Urkunde erwähnte Graf Eberhard stammt aus der Familie der Konradiner, die eng mit den Karolingern verwandt waren. Ihm wird das Grafenamt im Bonngau und das im Keldachgau (Düsseldorf, Neuss, Krefeld) zugeschrieben und er ist einer der älteren Ezzonen, einer Pfalzgrafenfamilie, die den Höhepunkt ihrer Macht in den Jahren 1024 bis 1045 erlebte und im 11. Jahrhundert zu sehr großer Bedeutung im Rheinland aufgestiegen war. Pfalzgraf war eine Bezeichnung, die in Zusammenhang mit den königlichen Pfalzen stand. Die Pfalzgrafen hatten weitgehende Verwaltungsaufgaben und waren die regionalen Vertreter der Könige.

Muffendorf gehörte zum Bonngau und befand sich somit im 11. Jahrhundert unter der Herrschaft der Ezzonen, die von der Tomburg (bei Meckenheim-Wormersdorf) und von der Siegburg aus die wichtigen Handelsstrassen (Aachen/Köln, Köln/Frankfurt) überwachten. Königin Richeza, die später noch erwähnt wird, gehörte diesem wichtigen Grafengeschlecht an, das durch seine enge Verwandtschaft sowohl mit den Karolingern wie auch mit den Ottonen zu den bedeutendsten Familien im Rheinland der Zeit um die Jahrtausendwende gehörte. Edith Ennen schreibt über die Stellung der Pfalzgrafen, zu denen auch die Ezzonen gehörten: „Die Pfalzgrafen der Karolinger und Ottonen besaßen umfassende administrative Befugnisse über die Königspfalzen, sie waren notwendige Beisitzer im Königsgericht. Die ererbte Machtbasis der >lothringischen< bzw. rheinischen Pfalzgrafen, d.h. der Pfalzgrafen von Aachen, der bedeutendsten deutschen Königspfalz, aus dem Hause der Erenfriede war groß. Sie reichte von der mittleren Maas bis über den Rhein. Die Pfalzgrafen übten die Oberaufsicht über die königlichen Domänen aus, vor allem über die Forsten und die großen Verkehrsstraßen; nicht zufällig lagen ihren Burgen an wichtigen Verkehrswegen: die Tomburg an der Aachen-Frankfurter Heerstraße, die jüngere Siegburg an der Straße Köln-Frankfurt. Ihre Stellung kam der eines Herzogs gleich“ (Ennen 1988, S. 160). In diesem Zusammenhang ist bedeutend, dass bis in die Neuzeit hinein auf dem sog. „Siegburger Hof“ in Muffendorf das Waldgericht regelmässig zu tagen hatte. Möglicherweise war dies eine Regelung, die noch auf die Zeiten der ottonisch-salischen Pfalzgrafen zurückgeht. Zur Bedeutung des Wildbanns und des Siegburger „Weisthums“ für den Siegburger Hof ist wiederum Maaßen aufschlussreich (s.o., S. 288 ff.).

Karte Tranchot - von Müffling, 1803-1820 (Ausschnitt): Das Wegenetz rund um Muffendorf
Abb. 10: Karte Tranchot - von Müffling, 1803-1820 (Ausschnitt); das Wegenetz rund um Muffendorf

Exkurs: die mittelalterliche Straße von Eckendorf nach Muffendorf

Alter Hohlweg vom Heiderhof nach Muffendorf, genannt die 'Steinrütsch' (2001)
Abb. 11: Alter Hohlweg vom Heiderhof nach Muffendorf, genannt die 'Steinrütsch' (2001)

Edith Ennen erwähnt die Überwachung der mittelalterlichen Straßen im Rheinland als bedeutende Aufgabe der Pfalzgrafen. Das hat für die weiteren Überlegungen Konsequenzen.

Von Eckendorf, das bereits im Jahr 770 im Codex Laureshamensis (11. Dezember 770, Schenkung des Wigbert) namentlich erwähnt wurde, verlief eine 973 genannte „via publica“, eine öffentliche Straße, am Rande des Kottenforstes entlang zum Königshof Muffendorf und weiter zum Rhein. Die entsprechende Textstelle in der Urkunde Ottos II. zu den Jagdrechten der Kölner Bischöfe lautet: „Similiter sicut via publica de Ekkentorp ad Moffentorp et sic usque ad Renum fluvium vadit, Cotenforast et omnes bestias in eo ac bannum super eas“ (MGH, S. 60, 15, Otto II. Aachen, 25.7. 973. Die Übersetzung lautet: Das gleiche gilt für das Gebiet, das durch den öffentlichen Weg begrenzt wird, der von Eckendorf nach Muffendorf und dann bis zum  Rhein führt, für den Kottenforst und alle wilden Tiere darin sowie für den Bann über sie).

Die Tatsache, dass es einen Abzweig von der karolingischen Heerstraße, die Aachen mit Frankfurt (eine Teilstrecke des wichtigsten damaligen Handelsweges Brügge – Venedig) verband, von Eckendorf nach Muffendorf gab, lässt darauf schließen, dass Muffendorf bereits in karolingischer Zeit zu einer gewissen Bedeutung gelangt sein muss. Wie sonst auch wäre es möglich gewesen, die Erträge der „Aachener Nona“, des Grundsteuer-Neunten, der von allen Erträgen der pflichtigen Güter zu leisten war, sicher nach Aachen zu transportieren, wenn es keine geeignete Straßenverbindung gegeben hätte, auf der man mit beladenen Wagen oder Lasttieren auf möglichst kurzem Wege das Marienstift in Aachen hätte erreichen können? Der  Verkehr zwischen Aachen und Muffendorf musste also sichergestellt sein, weil es einen dem Jahres- und Ernterhythmus angepassten Austausch zwischen Aachen und Muffendorf gegeben haben muss, denn Abgaben in Form von Geldleistungen erscheinen erst etwa zu Beginn des 13. Jahrhunderts. Bis dahin herrschte die Naturalabgabe. Ausserdem muss diese Straße, wenn man nach Maaßens Auskunft geht, die südliche Grenze des königlichen Wildbannes gewesen sein, dessen Umriss Maaßen so beschreibt: „Im Kottenforst bei Muffendorf begann der königliche Wildbann, der sich im Dreieck westlich bis an das Aachener Stadtgebiet am kleinen Haarfluss (im Dorf Haaren) und nördlich bis an den Ausfluß der Erft in den Rhein erstreckt. Die Grenze des Wildbannes lief von Muffendorf über Eckendorf oberhalb Rheinbach, Wißheim (Wüschheim bei Euskirchen?), Mariaweiler jenseits der Roer von da bis zum Haarbach, der sich in die Wurm ergießt, sodann bis zur Straße (Römerstraße), welche von Maestricht nach Köln führt, von dort über Glesch zur Erft und vom Ausfluß der Erft den Rhein entlang nach Muffendorf zurück“ (S. 287). Ein riesiges Waldgebiet, das sich also von Aachen bis an den Rhein erstreckte, und den Menschen im Mittelalter nicht nur wegen der wilden Tiere, die darin hausten, Furcht eingeflöst haben wird. So viel Furcht, dass es lange Zeit keine Straße durch diesen Forst gegeben hat, sondern die südliche Grenze des Waldes unsere Straße von Eckendorf nach Muffendorf gewesen ist, mit deren Hilfe man den gefährlichen Weg durch den Wald vermeiden konnte. Groeteken schreibt dazu: “...in dem...Walde {Kottenforst} kamen Wisente, Auerochsen, Bären, Luchse und Wölfe sogar noch im Jahre 1800 in ganzen Rudeln vor“ (1956 II, S. 57). Die Aufzählung dürfte für das Mittelalter noch zutreffen. Auerochsen waren aber hier bereits im 17. Jahrhundert ausgerottet, der letzte Wolf im Kottenforst wurde 1836 erlegt, 1874 wurde ein Wolf bei Muffendorf gesichtet, wahrscheinlich aber noch im selben Jahr bei Ahrweiler erlegt (Theo Schmidt: Der Wolf der rheinischen Wälder, in: Bonner Zoologische Beiträge, Jg. 8 1957, Heft ¾, S. 197 ff.)

Bereits im Frankfurter Kapitular von 794 ließ Karl der Große festlegen: „Die Gebäude und Dächer der Kirchen sollen jene ausbessern und instand halten, die von dort Lehen haben...“ (794 - Karl der Große in Frankfurt am Main: ein König bei der Arbeit, Kat. Frankfurt 1994, S. 21). Auch in Notker Balbulus’ Werk über die Taten Karls des Großen findet man einen konkreten Hinweis auf Karls besonderes Augenmerk für den Bau und die Pflege von Straßen: „In jenen Zeiten pflegte man es so zu halten: wo nach kaiserlichem Gebot ein Werk zu unternehmen war, Brücken oder Schiffe zu bauen oder Fähren oder schlammige Wege zu reinigen, zu pflastern oder auszufüllen, dergleichen besorgten die Grafen durch ihre Stellvertreter und Beamten, wenn die Sache nicht von Bedeutung war; den wichtigeren Arbeiten aber und besonders wo etwas neu zu bauen war, durfte sich kein Herzog oder Graf, kein Bischof noch Abt auf irgendeine Weise entziehen“ (Notker, Buch I, 30). Dass Notker gerade dies innerhalb seiner sonst recht phantastisch anmutenden Schilderungen der Taten Karls hervorhebt, macht deutlich, als welch großartige und wichtige Leistung der Straßenbau unter Karl dem Großen verstanden wurde.

Handfeste militärische und wirtschaftliche Interessen waren der Grund für den Straßenbau, angefangen bei den Römern, die ihre Provinzen schnellstmöglich erreichen wollten, bis hin zu Karl dem Großen, der seine Einnahmen und Pfründe sicher nach Aachen zu bringen trachtete. Im Vorfeld der Sachsenkriege ließ Karl der Große zunächst die Straßen wieder herstellen, um dann mit dem Heer schnellstmöglich vorangehen zu können (Metzer und Lorscher Annalen, s.: Lindgren 1996, S. 28). So als er 782 und 789 mit seinem Heer bei Köln den Rhein überquerte. Zu Köln hatte Karl d. Gr. eine besondere Beziehung, er hatte den Priester Hildebold als Bischof († um 818) eingesetzt und dieser Hildebold „blieb dem Frankenkönig ein Leben lang als Freund und Berater verbunden“ (Dietmar/Trier, S. 187, 2011).

Die Aachen-Frankfurter Heerstrasse war eine Verbindung, die bereits der Vater Karls des Großen, Pippin der Jüngere (*714 – †768), der im Jahre 753 einen Aufenthalt im „castrum“ Bonn genommen hatte (Levison, S. 217),  häufig genutzt hat. Dieser Heerweg war die schnellste Verbindung zwischen der Pfalz zu Sinzig am Rhein und der Pfalz in Aachen (96 km). „Die unmittelbar an der Straße gelegenen Pfalzen sind alle zwischen 762 und 774 entstanden. Sinzig wird erstmals 762 palatium, Aachen 769 palatium publicum und Düren 774 palacium ragium {wohl „regium“} genannt. Das kann kein Zufall sein und ist sicher im Zusammenhang mit dem Bau des (Strassen–) Abschnittes Sinzig — Düren zu sehen. Hinzu kommt, dass Düren zwischen 748 und 779 mehrfach Tagungsort für Gerichts-, Kirchen- und Reichsversammlungen gewesen ist, was ohne eine gute Verkehrsanbindung des Ortes kaum möglich gewesen wäre“ (Klaus Flink, Kreis Ahrweiler, weitere Literatur zur AFH: Nottebrock, Johannes: Die Aachen-Frankfurter Heerstraße In ihrem Verlauf von Aachen bis Sinzig. In-: Bonner Jahrbücher  131, 1927, S. 245—284).

Die Selbstverständlichkeit, mit welcher Otto II. von der „via publica“, der öffentlichen Straße von Eckendorf nach Muffendorf spricht, lässt darauf schließen, dass diese Strasse zu seiner Zeit allgemein bekannt und genutzt war. Sie muss also schon längere Zeit als südliche Umgehung für den königlichen Jagd-Wald, dessen Rest heute der Kottenforst ist, in Benutzung gewesen sein. Der unermüdlich Sammler und Dokumentar der deutschen Adelssitze, Alexander Duncker (s.u.), spricht noch im frühen 19. Jahrhundert in Zusammenhang mit seiner Darstellung der Kommende Muffendorf mit Selbstverständlichkeit von der „Alten Heerstraße von Eckendorf nach Muffendorf“. In diesem Zusammenhang sei ebenfalls erwähnt, dass Pippin der Mittlere, der Urgroßvater Karls des Großen, und seine Frau Plektrudis um 680 Köln zum Herrschaftszentrum erwählt hatten. Im Zusammenhang damit dürfte auch der Beginn des frühmittelalterlichen Ausbaus der Verkehrswege im Kölner Umland gestanden haben.

Unsere Straße von Eckendorf nach Muffendorf gehört also wahrscheinlich schon zum karolingischen Straßennetz, das im 8. Jahrhundert angelegt wurde. Aufgrund dessen wäre ein Königshof in Muffendorf, der sich auf den baulichen Resten einer römischen Villa befunden haben könnte, in direkter Nähe zu einer römischen Weihestätte (Diana-Stein), und zu einem merowingischen Königsgut durchaus begründbar. In der Literatur findet man Hinweise darauf, dass sich im Volksmund die Bezeichnung „Heidentempel“ für den Standort, auf dem sich die Alte St. Martinskirche befindet, tradiert hat. Herbert Strack (†) hat ebenso wie Maaßen (s.o.) auf die Möglichkeit hingewiesen, dass die ältesten Teile (Turm) der alten St. Martinskirche baulich noch zum ehemaligen karolingischen Königsgut gehört haben können (Strack, Alt St. Martin, 1988). Die Merowinger hatten um 590 unter dem ersten fränkischen Bischof Evergislus mit dem Bau einer Bischofskirche in Köln begonnen, wie die Grabungen unter dem Dom gezeigt haben (Hugo Borger: Zu den Ausgrabungen unter den Kölner Kirchen, in: Stadtspuren, Bd. 1, S. 116), dabei ist es auch wichtig, darauf hinzuweisen, dass Evergislus/Eberigisel/Everigisel wahrscheinlich in Personalunion den Bistümern Maastricht-Lüttich und Köln vorstand. In späteren Jahren wird eine Muffendorfer Güterbeziehung zum Martinsstift in Lüttich deutlich, die aufgrund der Größe der Ländereien eine ganz herausragende Bedeutung hatte.

Etwa 100 Jahre später (um 690) nutzten die Merowinger in Köln Überreste römischer Tempelbauten für ihre Kirchengründungen. Prominentestes Beispiel dafür ist St. Maria im Kapitol, die auf den baulichen Resten eines Tempels, der den Kapitolinischen Gottheiten Jupiter, Juno und Minerva geweiht war, erbaut wurde. So wäre es auch für Alt-St. Martin denkbar, dass die Kirche auf die Zeit der Merowinger zurückgeht, wie dies auch die Funde fränkischer Gräber nahe legen. Borger stellt für Köln jedenfalls fest, dass St. Severin, St. Maria im Kapitol und St. Kunibert im 7. Jahrhundert aus „merowingischen Hofesgewichten“, damit meint Borger Königsgüter im erweiterten Sinne, hervorgegangen sind (Hugo Borger: Zu den Ausgrabungen unter den Kölner Kirchen, in: Stadtspuren, Bd. 1, S. 117). Auch für den Hügel, auf dem St. Pantaleon in Köln erbaut wurde, ist eine römische Villa nachgewiesen, die im 6./7. Jahrhundert als Bestattungsort genutzt wurde, in der zweiten Hälfte des 7. Jahrhunderts folgte an dieser Stelle der Bau einer einfachen Saalkirche (vgl. Ristow 2009, S. 31 ff.,S. 119). Näher bei Muffendorf liegt das Bonner Münster, unter dessen Chor ein Grabbau aus dem 6. Jahrhundert nachgewiesen werden konnte, der ebenfalls die Form eines Rechtecksaales aufweist (vgl. Ristow 2009, S. 69). So haben wir prominente Beispiele für die merowingerzeitliche Nutzung antiker Siedlungsorte bzw. Architekturruinen im näheren Rheinland. Dies läßt für Muffendorf den Schluß zu, dass es auch bei Alt St. Martin eine Tradition gibt, die bis in die Merowingerzeit zurückreicht. Für Muffendorf könnte das gelten, was Ristow folgendermaßen beschreibt: „Das Vorhandensein römischer Baureste führt zunächst nicht zu einer direkten Nutzung seitens der Franken. Diese nutzen als erstes das alte römische Kulturland um die Villenareale, die agri deserti des 5. Jahrhunderts... Man suchte die Orte auf, weil sie sich an topographisch auffälligen Lagen befanden und aufgrund noch vorhandener Gebäudereste Landmarken darstellten. Schließlich nutzte man das vorhandene Baumaterial“ (Ristow 2009, S. 53). Zukünftige archäologische und bauhistorische Untersuchungen werden Aufschluss darüber bringen können, ob bereits die Merowinger oder erst die Karolinger hier eine Kirche gründeten. Sobald Alt St. Martin einmal einer umfangreichen Sanierung unterzogen werden muss, könnte dies geschehen. Jedenfalls stellt die topographische Lage der heutigen Kirche ganz sicher eine Landmarke im Sinne Ristows dar.

Die Entfernung von Muffendorf nach Sinzig am Rhein entlang beträgt etwa 18 Kilometer. Also eine Distanz, die ein größerer Tross gemessener Geschwindigkeit an einem Tag, von Königsgut zu Königsgut, hätte zu Fuß oder zu Pferd oder im Wagen zurücklegen können. Von Muffendorf führte ein Weg direkt zur alten römischen Heerstraße, die von Koblenz nach Bonn verlief, etwa auf der Höhe Rüngsdorfs, das bereits 804, also zu Lebzeiten Karls des Großen, urkundlich erwähnt wurde. Von dort wäre eine recht bequeme Reise in Richtung Norden oder Süden (Sinzig) über die alte Römerstraße möglich gewesen. So lag Muffendorf für mittelalterliche Verhältnisse recht verkehrsgünstig.

Dies barg auch Gefahren: 881/882 und 892 zogen die Normannen durch das Rheinland und verwüsteten es. Lannesdorf wird in diesem Zusammenhang erstmals urkundlich erwähnt (Wiedemann, S. 141). Muffendorf wird aber wohl ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen worden sein, wenn dies auch nicht ausdrücklich erwähnt ist. Da die Normannen, als sie in Lannesdorf angekommen waren, von Süden her bedrängt wurden, zogen sie nordwestlich ab in Richtung der Wälder der Eifel, möglicherweise die Straße von Muffendorf nach Eckendorf für ihre Eilmärsche nutzend, und plünderten auf ihrem weiteren Weg das Kloster Prüm. Erst im darauf folgenden Winter zogen sich die Normannen nach ihrer schweren Niederlage gegen Kaiser Arnulf von Kärnten an der Dyle im Jahr 891 gänzlich zurück, weil im Herbst 892 in Austrasien (Ostreich der Karolinger) eine Hungersnot herrschte.

Dass die Eckendorfer Wegekreuzung auch in fiskalischer Hinsicht Bedeutung hatte, wird deutlich am Streit über den Wegezoll, den 1194 Gerhard von Are an dieser Stelle erhob. (Flink, Klaus: Der Abschnitt Sinzig-Düren der Krönungsstraße von Frankfurt nach Aachen, Via Regia, 5/2012) Eine Zollstelle macht nur dort Sinn, wo Zölle abzuschöpfen waren. Also muß auch die Strecke von Muffendorf nach Eckendorf durch den Gütertransport eine lukrative Einnahme gebracht haben. Ohne den Abzweig nach Muffendorf hätte eine Zollstelle hier keinen Sinn ergeben, weil sowohl in Sinzig wie in Rheinbach Zölle erhoben wurden. Allerdings musste Gerhard von Are nach 1194 auf diese Einnahmequelle verzichten, da Kaiser Heinrich IV. ihm dieses Recht absprach (Flink, a.a.O.). In der älteren Literatur wird aber auch auf vereinzelte Funde einer befestigten (gepflasterten) Römerstraße hingewiesen, die von Godesberg kommend über Muffendorf und Lannesdorf nach Liessem und von dort weiter zur Ahr geführt haben soll. Archäologisch gesichert ist dies nicht, die Hinweise auf diese Funde sind aber auch nicht gänzlich von der Hand zu weisen, würde doch ein umfangreiches römisches Gut, wie es beim Dianatempel vorzustellen wäre, ebenfalls lebhaften Personen- und Güterverkehr auf sich gezogen haben. Es wäre aber auch möglich, dass Groetekens Quellen, die er leider nicht nennt, Reste einer mittelalterlichen Straße gesehen haben (Groeteken 1956 II, S. 40). Jedenfalls deuten alle diese Hinweise darauf, dass wir es hier mit einer ausserordentlich alten Straßenführung zu tun haben.

Das hohe Mittelalter - die Zeit der Ottonen und die ezzonischen Pfalzgrafen

Das Ostreich der Karolinger, Austrasien mit den Machtzentren Aachen und Köln, ging im 10. Jahrhundert an die Ottonen über. Am 20. Mai 979 (inzwischen war mit der Krönung Ottos I. im Jahr 962 das Heilige Römische Reich entstanden) taucht ein Königsgut in Muffendorf in einer Urkunde Ottos II. auf: Er schenkt darin seine Güter in Muffendorf dem Kloster Memleben („...nostre proprietatis curtem regiam {Moffendorf dicta}m....“ (MGH, S. 218, 30) „...aus unserem Eigentum den königlichen Hof, der Muffendorf genannt wird....“. Für Memleben (heute Sachsen-Anhalt) wird ebenfalls ein Königsgut bzw. sogar eine Kaiserpfalz vermutet. Die Muffendorfer Schenkung gehörte zur reichen Ausstattung des sehr prominenten Klosters, das vielfältige Gaben erhielt, um das geistliche Gedenken an Otto I. und Otto II. und dessen Gattin Theophanu, die in St. Pantaleon zu Köln bestattet wurde, zu pflegen. Otto II. und Theophanu hatten das Benediktinerkloster Memleben wohl nach 973 gegründet. So steht Muffendorf in einem unmittelbaren Zusammenhang mit einer der bedeutendsten Frauen des Mittelalters: der Kaiserin Theophanu. Otto II. wird Memleben nicht mit unbedeutenden Gütern ausgestattet haben, was wiederum ein Licht auf die Muffendorfer Verhältnisse wirft (vgl. Höroldt, Tausend Jahre Kottenforst, S. 126, 128). Die Muffendorfer Schenkung hatte ein bewegtes Schicksal, da sie offenbar wirklich nicht unbedeutend war.

Bereits 1015 (26. Januar) bringt sich Kaiser Heinrich II. (1014 bis 1024 römisch-deutscher Kaiser) in den Besitz des Gutes Muffendorf, das Otto II. im Tausch mit Hersfeld dem Kloster Memleben gestiftet hatte. Dieser Vorgang muss als bedeutend interpretiert werden, da „auf der Rückseite des Siegels nämlich die Worte 'Moffend decimat.' eingekratzt worden 'sind', was geschehen sein muss, ehe das Siegelwachs erstarrt war; hierdurch sollte wahrscheinlich die Benutzung dieses beglaubigten Blanquets zur Beurkundung eines anderen als des vom Kaiser genehmigten Rechtsgeschäftes ausgeschlossen werden...“ ( MGH, DD H II, Nr. 330, S. 417). Ferner wird in dem entsprechenden Text der MGH auch vermutet, dass Hersfeld für Muffendorf später eine besondere Entschädigung aus dem Eigengut Heinrichs erhalten hätte. Auch dies spricht dafür, dass das Muffendorfer Gut nicht unbedeutend gewesen ist. Am 24. Juli des Jahres 1020 schenkt Heinrich II. dem Aachener Marienstift den Hof zu Muffendorf, den er zuvor, nämlich 1015, vom Kloster Hersfeld eingetauscht hat. Denn Heinrichs Bestreben ging dahin, die besondere politische Bedeutung Memlebens auf die Aufgaben einer Probstei zu reduzieren, in dem er das Kloster der Reichsabtei Hersfeld unterstellte und damit faktisch degradierte. Im gleichen Atemzuge degradierte er damit auch das Gedenken an die Stifter Otto II. und Theophanu und deren Intention, in Memleben ein Symbol des friedlichen Miteinanders mit Polen zu etablieren. Durch die vorhergegangenen Polenfeldzüge Heinrichs II., die mit einem aus Heinrichs Sicht unbefriedigenden Frieden von Bautzen 1018 zuende gegangen waren, war die friedlichere Ostpolitik Ottos des II. konterkariert worden. Und so wäre es ebenfalls verständlich, wenn er einen Hof aus königlichem Besitz, der an Memleben geschenkt worden war, an sich brachte und weiter an Aachen geschenkt hätte (MGH, DD H II, Nr. 433). Bei so großer kaiserlicher Aufmerksamkeit für Muffendorf muss man davon ausgehen, dass es sich um ein Gut mit einer speziellen Bedeutung gehandelt hat. Die ottonische Stiftung Memleben wurde zum Spielball politischer Interessen. Der in dieser Urkunde vom 24. Juli 1020 erwähnte Muffendorfer Hof spielte dabei eine kleine Rolle als er durch diese Schenkung wohl wieder an karolingische Tradition (Aachener Marienstift) geknüpft wurde. Auch dies spricht für die These, dass Muffendorf zur Zeit der Karolinger bereits über einen königlichen Hof verfügte. (Vergleiche zur Bedeutung Memlebens/Hersfeld: Odilo Engels: Kaiserin Theophanu, in: Rheinische Lebensbilder, Bd. 13, Köln 1993, S. 7 ff., besonders S. 18.) Über das weitere Schicksal dieses Hofes lässt sich nur spekulieren. Ob er identisch ist mit der oft erwähnten „Muffendorfer Burg“ oder mit dem Siegburger Hof oder eine ganz eigenständige Rolle spielte, das bleibt zu klären. Sicher aber ist, dass dieser Hof für Kaiser Otto II. ebenso wie für Kaiser Heinrich II. einen speziellen Wert besaß. In späteren Jahren taucht ein „Aachener Hof“ in Muffendorf allerdings bisher nicht in Urkunden oder anderen Quellen auf.

Eine weitere Urkunde aus dem Jahr 1057, als Anno II. Erzkanzler der Heiligen Römischen Kirche wird, erwähnt einen Hof in Muffendorf, - er gehörte zu den Gütern, die Erzbischof Anno II. von Köln (*ca. 1010 †4.12.1075) der Königin Richeza von Polen (*um 995 †21.3.1063) übertragen hatte. Daraus lässt sich schließen, dass der Muffendorfer Hof zuvor dem Kölner Erzbischof gehört haben kann oder ihm unterstellt war. Wie der Hof in den Besitz des Kölner Erzbischofs kam, ist nicht bekannt. In diesem Zusammenhang ist aber interessant, dass Richeza eine Enkelin Ottos II. und der Kaiserin Theophanu war und zu der im Rheinland zu erheblicher Macht aufgestiegenen Familie der Ezzonen gehörte. Also kam Muffendorfer Besitz wiederum im erweiterten Sinne in ottonische Hand. Margret Corsten geht davon aus, dass es sich um den Siegburger Hof handelt, der noch heute gegenüber der alten St. Martinskirche an herausgehobener Stelle steht (Der Siegburger Hof in Muffendorf, in: 1100 Jahre Muffendorf, 888 – 1988, VHH Bonn – Bad Godesberg 1988, S. 29 ff.).

Anno II. ist eben jener bedeutende Kölner Bischof, der im Jahre 1064 die Benediktinerabtei Siegburg gründete, die ebenfalls zu Muffendorf begütert war. Die Siegburg hatte er zuvor im Jahr 1059 den Gaugrafen abgerungen und die Burg in ein Kloster umgewandelt. Damit erhielt der Kölner Bischof den strategisch wichtigen Ort an der Fernstrasse Frankfurt/Köln in die Hand. Eine für die weitere Geschichte der Kölner Kirche nicht zu überschätzende Entwicklung, da die Ezzonen 1055 im Mannesstamm ausgestorben waren und damit der Machtverlust dieser einst so bedeutenden Familie zugunsten Annos II. und des Erzbistums einherging. Es war keineswegs nur von lokaler Bedeutung, dass Anno nach der weltlichen Macht in Form der Siegburg griff. Um die Mitte des 11. Jahrhunderts begann eine Auseinandersetzung um den beherrschenden Zugriff auf die Kirche, die durch die tatkräftigen Bischöfe der Zeit entscheidend geprägt wurde. Insofern sind die Geschehnisse rund um die Siegburg sowie um die dazugehörigen Güter ebenfalls wichtiger Teil der Reichsgeschichte, nicht nur des Kölner Bischofssitzes. Insbesondere auch Annos Eingreifen gegen die Mönche von St. Pantaleon im Jahre 1074, das eine Reform des Klosters nach der Siegburger Regel mit sich brachte, macht Annos Machtanspruch deutlich. Dazu muss man wissen, dass das Kloster St. Pantaleon damals das Zentrum der Kulturpflege des mittelalterlichen Kölns, des Rheinlands insgesamt war, hier befanden sich die bedeutenden Skriptorien und Bildhauerwerkstätten. Wer hier herrschte, bestimmte die kulturelle Entwicklung nördlich der Alpen.

Anno wurde bereits 1183 heilig gesprochen, nur etwas mehr als einhundert Jahre nach seinem Tod. Ein bedeutendes Denkmal seiner Verehrung ist durch eine Druckausgabe (Danzig 1639) des Barockdichters Martin Opitz (*23.12.1597 †20.8.1639) auf uns gekommen: das Annolied, dessen handschriftliche mittelalterliche Fassung, die etwa zwischen 1077 und 1081 entstanden ist, heute als verloren gilt. Es ist zugleich eine Heils- und Weltgeschichte wie auch eine Hagiographie des kirchenpolitisch wichtigen Bischofs auf dem Kölner Thron. Der Autor erwähnt weltgeschichtlich Bedeutsames und weniger Bedeutsames. Wichtig ist aber u.a. seine Sicht auf Cäsar und das Entstehen des fränkischen Reiches. Dem Autor scheinen die antiken steinernen Wasserleitungen aus der Eifel nach Köln geläufig gewesen zu sein, allerdings schreibt er darüber:

„Trier war eine alte Stadt; die mächtigen Römer schmückten sie aus.
Von dort sandte man unterirdisch den Wein weithin in steinernen Rinnen,
als Freundesgabe für all die Herrscher, die in Köln residierten.
Sehr groß war ihre Macht“
(Nellmann 1979, S. 41).

Das offenbart, dass der gebildete Autor, der gegen Ende des 11. Jahrhunderts das Lied verfasst hat, sich entweder nicht vorstellen konnte, dass die gewaltige Ingenieurleistung der römischen Kanalbauten in der Eifel einem so „banalen“ Zweck gedient haben könnte, Quellwasser nach Köln zu transportieren. Er funktionierte die Leitungen kurzerhand zu Weinleitungen um. Im Volksmund hießen die römischen Wasserleitungen bis in die Neuzeit hinein „Teufelsadern“. Eine Absicht des Autors könnte darin bestanden haben, die guten Verbindungen zwischen der römischen Macht und Köln anhand dieser Kuriosität anschaulich zu machen. Oder der Autor spielte mit der Vorstellungskraft und dem Wissen seiner Zuhörer und benutzte die römischen Wasserleitungen als Sinnbild, das von den Zeitgenossen durchaus erkannt wurde. Im Wesentlichen diente das Lied dazu, Annos Leben und Wirken zu verherrlichen und sein Bild für die Nachwelt zu prägen, ihn vor allem als vorbildlichen Heiligen zu tradieren, dessen Wirken einem göttlichen Heilsplan entsprungen war. Die Forschung geht davon aus, dass das Lied in seiner Wirkung nur lokale Folgen gezeitigt hat, was auch damit begründet wird, dass die Verehrung Annos vorwiegend auf den Köln-Siegburger Raum beschränkt ist. In Muffendorf soll Anno bis in die Neuzeit hinein besonders verehrt worden sein. Nach der Heiligsprechung Annos ist noch im späten 12. Jahrhundert (zwischen 1183 und 1187) eine erste Fassung des Siegburger Mirakelbuches verfasst worden, worin die Wunder, die dem großen Bischof Anno in der ersten Zeit nach der Heiligsprechung zugeschrieben wurden, sehr eingehend und in großer Zahl erläutert werden. Mauritius Mittler kommt das Verdienst zu, dieses Mirakelbuch für die Lektüre erschlossen zu haben (1966). Darin findet sich auch ein Wunder beschrieben, das einem Muffendorfer Elternpaar geschehen ist: „Ebenso hatte ein Mann in Muffendorf namens Arnold einen kaum einjährigen Sohn. Zufällig bekam dies Kindlein einen nicht so ganz kleinen Nagel in die Hand, steckte ihn nach Kinderart in den Mund und, da niemand es verhinderte, verschluckte es ihn. Sofort bekam der Knabe heftige innere Schmerzen und schien zu sterben. Vater und Mutter sind da. Und nachdem sie erkannt hatten, was geschehen war, wussten sie nicht, was sie machen sollten, um dem Sterbenden zu helfen. Auf göttliche Eingebung hin kam ihnen die Größe der Wunder Annos in den Sinn. Da rief der Vater mit tränenerstickter Stimme dessen Hilfe an. Kaum hatte er Anno das dritte Mal genannt, kam aus dem Innern des Knäbleins der schon ganz mit Blut befleckte Nagel am Mund heraus. Und so bekam das Kind Leben und Gesundheit wieder. Dankbar Gott und seinem Bekenner gegenüber führen die Eltern den Knaben zu seinem Grab und zeigen den Nagel zur Verwunderung vieler“ (Mittler: Siegburger Mirakelbuch, Buch I und II, S. 97). Ebenfalls in Buch IV findet Muffendorf wieder Erwähnung: „In Muffendorf, das unserer Botmäßigkeit untersteht, wurde ein Mädchen von schwerer Krankheit erfasst und starb. Als Vater und Mutter das wieder belebte Mädchen zum Kloster des seligen Bischofs geführt hatten, bezeugten sie unter Eid, daß es den Geist wiedererlangt und sich sofort erhoben habe, als die Mutter unter Tränen und Gelübden den Namen Annos angerufen habe“ (S. 221). Soviel zur zweimaligen Wundertätigkeit des Hl. Anno in Muffendorf.

Insgesamt gesehen brachte das 11./12. Jahrhundert zwischen 1024 und 1125 einen ersten Höhepunkt der romanischen Kunst. Aber die Medaille hatte zwei Seiten, die andere Seite war bittere Not: „Brachten bereits die Kriege mit den Nachbarländern jenseits der Reichsgrenzen mit dem Zwang zur Heerfolge große Last für die Bewohner der angrenzenden Herzogtümer und Marken, so wurde diese in nur schwer beschreibbarer Weise gesteigert durch die Auseinandersetzungen im Inneren des Reiches. In dem gleichen Zeitraum [...] wurde das Reichsgebiet in schier allen Regionen von einer Folge sich ständig erneuernder innerer Auseinandersetzungen erfasst. Wurden diese Kämpfe zunächst von adligen Gruppierungen geprägt, die sich gegen den umfassenden Herrschaftsanspruch der Könige zur Wehr setzten und dramatische Höhepunkte z.B. in den Kriegen gegen das lothringische Herzogtum erreichten, so erhielten diese Auseinandersetzungen unter Heinrich IV. eine die Königsherrschaft in Frage stellende Form. Die großen Kriege in Sachsen bedrohten die Königsherrschaft ebenso wie die im Gefolge des Investiturstreits ausbrechenden Kriege, die schließlich alle Regionen des Reiches erfassten. Führt man sich diese Wirklichkeit vor Augen und bedenkt dabei, dass eine Vielzahl kleiner lokaler Fehden stets das große Geschehen begleiteten, wird deutlich, dass der Alltag der Menschen im Reich von solch ständigem Kampf und der daraus erwachsenden Not überschattet wurde. Zerstörte Siedlungen, Verlust der Habe und vernichtete Ernten prägten immer wieder den Jahreslauf der weitgehend schutzlosen Landbevölkerung. [...] Waren kriegerische Auseinandersetzungen schon Grund genug für unzulänglich bestellte Felder und vernichtete Ernten, so wurde die daraus resultierende Not im Laufe des 11. Jahrhunderts zusehends durch eine Verschlechterung des Klimas gesteigert. Dieser Vorgang, der sich in ganz Europa vollzog und ebenso Frankreich und Italien erfasste, nahm im Reichsgebiet nordwärts der Alpen vor allem gegen Ende des 11. Jahrhunderts und in den ersten Jahrzehnten des 12. Jahrhunderts erschreckendes Ausmaß an“ (Weidemann, K. u. M.: Eingang, Kat. Das Reich der Salier, 1024 – 1125, Mainz 1992, S. 6, 7).

Nach Rizechas Tod im Jahre 1063 ist der Muffendorfer Hof an Anno II. zurückgefallen, so dass er ihn seiner neuen Stiftung Siegburg überträgt. Nach Alfred Wiedemann kommt Muffendorf in der Folge in allen Stiftungs- bzw. Bestätigungsurkunden vor (S. 74, 75). Somit ist eindeutig belegt, dass der heutige Siegburger Hof zum Eigentum der ezzonischen Prinzessin und Polnischen Königin Richeza gehörte und auf eine fast tausendjährige Geschichte zurückblicken kann.

Alljährlich tagte auf dem Siegburger Hof das Waldgericht, dem wichtige Entscheidungen den Wald und seine Nutzung betreffend, zustanden. Hubert German Maaßen hat auch hier die Bedeutung des Siegburger „Weisthums“ für Muffendorf schon früh erkannt, und dokumentiert eine Abschrift einer älteren Urkunde dazu ausführlich (S. 288 ff.). Da auch die Entnahme von Bauholz aus dem Wald streng reglementiert und beschränkt war, wuchsen die Dörfer, auch aufgrund der oben geschilderten Schwierigkeiten, nur langsam, was sich für Muffendorf an der Entwicklung der Bevölkerungszahlen gut ablesen lässt.

Der berühmte „Teppich von Bayeux“ (Normandie) entstand nach 1066, gibt also eine Idee von der Welt, in der Richeza und ihre Zeitgenossen in kriegerischer Zeit lebten. Da Muffendorf über eine Straße verfügte, die an das große überregionale Straßennetz der karolingischen Zeit angeschlossen war, bestand jederzeit Gefahr aufgrund der guten Erreichbarkeit. Dies war möglicherweise auch ein Grund dafür, dass eine Burg oder ein befestigtes Haus den königlichen Besitz in Muffendorf schützen sollte.

Der Verlauf der mittelalterlichen Straße Via Publica (770) von Eckendorf nach Muffendorf
Abb. 12: Der Verlauf der mittelalterlichen Straße Via Publica (770) von Eckendorf nach Muffendorf

Der Verlauf der mittelalterlichen Straße von Eckendorf nach Muffendorf ist auf der Tranchot–von Müfflingkarte von 1803/1820 (im Auftrage der französischen Verwaltung entstanden) gut nachzuvollziehen. Von Eckendorf ging es Richtung Norden zum heute noch vorhandenen Sommersberger Hof (ehemalige, untergegangene Burganlage), weiter nach Arzdorf, von dort Richtung Nordosten über Holzem nördlich am Wachtberg vorbei, Richtung Flemming, weiter Richtung Nordosten Richtung Liessem. Noch heute heisst ein Abschnitt der Straße, die etwa diesem Verlauf folgt, „Alte Straße“. Etwa auf der halben Strecke nach Liessem verlief die Straße dann nach Norden biegend über die Hochfläche des Heiderhofes bis zur Spitzkehre Elliger Höhe und Hohle Gasse. Die Weite der Landschaft und die nur punktuelle Besiedelung des Rheintals noch zu Beginn des 19. Jahrhunderts zeigt ein anonymes Gemälde aus der Zeit um 1820 sehr plastisch. Der Blick vom Ennert über das Rheintal,- im Süden bis zum Drachenfels, am rechten Bildrand die Godesburg -, zeigt südlich von der Godesburg an den Hang geschmiegt das kleine Muffendorf. Selbst auf diesem Gemälde ist noch eine Straße, die von der Muffendorfer Anhöhe in die Rheinebene sich zieht, deutlich zu erkennen (Riemer 1978, Abb. S. 50).

Auf der sehr schön gezeichneten Karte der Preußischen Uraufnahme von 1846 (Nr. 5308) sind an einigen Stellen des vermuteten Verlaufes dieser mittelalterlichen Straße noch Reste von Hohlwegen kenntlich gemacht, die auf eine sehr lange Nutzung dieser Wege schließen lassen. Solche Kartierung findet sich am Weg von Arzdorf nach Holzem, an einer großen Wegekreuzung norwestlich von Gimmersdorf in Richtung Liessem und Muffendorf, westlich von Liessem in Richtung Muffendorf. Die heutige Hohle Gasse und Elliger Höhe sind dann im weiteren Verlauf ebenfalls als alte Hohlwege gekennzeichnet. So sind anhand der Hohlwege alte Straßenverläufe und auch Straßennetze bis heute zu erkennen.

Detail Muffendorf aus dem Rheinpanorama von Delkeskamp (ca. 1840-42)
Abb. 13: Detail Muffendorf aus dem Rheinpanorama von Delkeskamp (ca. 1840-42)

Und nicht nur dies: Bis heute kann man auf Wirtschaftswegen diesem Straßenverlauf weitgehend folgen, das mag erklären, warum es nur wenige luftbildarchäologische Befunde von Straßen im Gelände gibt, denn wenn die heutigen Wege auf alten Trassen verlaufen, sind keine luftbildarchäologischen Spuren im Gelände abzulesen. Auch einige Funde, die auf Wüstungen mittelalterlicher Siedlungen auf der Liessemer Höhe und bei Holzem (Am Eselspfad) schließen lassen, die nahe an unserer vermuteten Straße liegen, sprechen für diesen Verlauf der Straße. Sie stellt eine kurze Verbindung zwischen Eckendorf und Muffendorf her, ohne allzu große Höhenunterschiede überwinden zu müssen, sie umgeht Bachläufe und bietet gute Orientierungsmöglichkeiten (freie Blickachsen auf das Siebengebirge) in einer Zeit, die ohne Beschilderungen oder detaillierte Karten auskommen musste. Auch die große Zahl der im Gebiet von Villip, Adendorf und Fritzdorf vorzufindenden Wüstungen, die im Mittelalter bewirtschaftete Höfe oder kleine Dörfer waren, macht eine Verkehrsanbindung durch eine öffentliche Straße in der fränkischen Zeit wahrscheinlich (Janssen, S. 49). Erstaunlich deutlich ist der Verlauf der alten Straße aus dem Ländchen über Muffendorf nach Rüngsdorf zur alten Römerstraße zu erkennen auf dem Rhein-Panoramaplan von Delkeskamp (1840-42), der die wichtigsten Verkehrsbeziehungen aus der Vogelschau sehr präzise darstellt (Riemer 1971, S. 15).

Die verwaltungstechnische Infrastruktur zur Zeit der Karolinger wies bereits alle Anzeichen einer auf Fiskaleinnahmen aufbauenden Herrschaft auf. Die Zollvorschriften geben ein lebhaftes Bild von Handel und Wandel, daher waren Straßen und Wasserwege, hier vor allem Maas und Rhein, bedeutend (Adam 1996). Die Forschungen von Andreas Schmickler zu den Altstraßen zwischen Ahr und Düren machen deutlich, dass es ein recht dichtes Netz von Straßen in unserem Gebiet gegeben hat. Über die Luftbildarchäologie ist es Schmickler gelungen, einige dieser Straßen darzustellen, ohne allerdings immer den gesamten Verlauf klären zu können, da manche Streckenabschnitte durch Landwirtschaft und moderne Bautätigkeit zu stark verändert wurden. Aber die große Anzahl der Straßen macht deutlich, dass unser Gebiet bereits im Mittelalter gut erschlossen war. Im 12. Jahrhundert war es zum Schauplatz kriegerischer Auseinandersetzungen um die Thronfolge im Deutschen Reich (Staufer/Welfen) geworden. In den Jahren 1114, 1198 und 1239 sollte die Macht der Kölner Erzbischöfe gebrochen werden. Dies gelang nicht, denn gegen die starken kölnischen Stadtmauern kam man nicht an, daher wurde die Landschaft im Süden Kölns gebrandschatzt. In diesem Zusammenhang muss auch der Bau der Burgen im Siebengebirge gesehen werden. Erzbischof Friedrich I. liess ab 1118 die Wolkenburg erbauen, ab 1122 die Burg Rolandseck und wahrscheinlich auch die Burg Drachenfels. Bonn und die Umgebung der Stadt wurden im Zuge der Kriegshandlungen verwüstet, was für Bonn die Konsequenz nach sich zog, dass Erzbischof Dietrich von Hengebach ab 1210 am Aufbau der Godesburg arbeiten liess, und ab 1244 an der Errichtung einer Bonner Stadtmauer gearbeitet wurde. Die umgebenden Dörfer blieben weiterhin meist schutzlos den kriegführenden Heeren ausgeliefert.

Das 12. Jahrhundert

Bereits 1136 war das Bonner Cassius-Stift, das Stift des Bonner Münsters, nachweislich in Muffendorf begütert, wie Wiedemann berichtet (S. 33). 1154 ist ein Streit zwischen Muffendorf und Mehlem aktenkundig geworden, den Wiedemann ausführlich beschreibt (S. 151), wobei es um die zentrale Frage ging, welcher Kirche die älteren Rechte zustehen (dazu siehe auch ausführlich Corsten, Severin: Godesberger Kirchen im Liber Valoris, in: Godesberger Heimatblätter 41, S. 27). Wann die Umwandlung der Kirche von der Fiskal- zur Pfarrkirche stattgefunden hat, ist nicht belegt. 1154 scheint dies aber vollzogen. Die Abhängigkeit von der Mehlemer Pfarre ist den Muffendorfern über Jahrhunderte ein Dorn im Auge gewesen. Betrachtet man die älteste Geschichte der Kirche, so war dies wohl begründet. Im Liber Valoris, einem Verzeichnis der außerordentlichen kirchlichen Pfründe im Erzbistum Köln, werden Mehlem und Muffendorf, wie auch die übrigen Godesberger Kirchen, zum Dekanat Ahrgau gezählt. Zur Erinnerung: die „weltliche“ Organisation zählte Muffendorf zum „Bonngau“. Welche Widersprüche mögen sich daraus ergeben haben?

In der Folgezeit, dies darf man nicht unterschätzen, ist mit der Überführung der Reliquien der Hl. Drei Könige nach Köln (23.7.1164) der Grund gelegt worden für den machtvollen Aufstieg der Metropole. Um 1179/80 umfasste das Stadtgebiet Kölns bereits 400 Hektar (Dietmar/Trier, 2011, S. 248). Als einer der wichtigsten Wallfahrtsorte in Europa erlebte die Stadt einen enormen wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Aufstieg. Dem Städtedreieck Aachen, Bonn und Köln erwuchs in den Jahren 1164 bis 1166 ein erheblicher Bedeutungszuwachs, der insbesondere auf die Initiative des Bischofs Rainald von Dassel zurückzuführen ist: im Jahr 1164 Köln mit der Überführung der Gebeine der Heiligen Drei Könige, im Jahr 1165 Aachen mit der Heiligsprechung Karls des Großen und im Jahr 1166 Bonn mit der Heiligsprechung der thebanischen Märtyrer Cassius und Florentius. Dieser Dreiklang der bedeutendsten Orte des damaligen deutschen Reiches hatte Strahlkraft weit über die Region hinaus. Dass von hier aus bedeutende Innovationen ihren Weg fanden, liegt auf der Hand. Insbesondere der große Gelehrte Albertus Magnus trug hierzu im 13. Jahrhundert von Köln ausgehend bei. Auch die fernere Umgebung Kölns bis hin nach Muffendorf erlebte diesen Wandel, nicht zuletzt durch die besondere Wirtschaftskraft, die von Köln ausging. Im Jahre 1181 taucht Muffendorf in einer päpstlichen Urkunde auf: Papst Lucius III. nimmt die Abtei Siegburg mit all ihren Gütern, worunter er Muffendorf namentlich (Moffendorp) aufzählt, unter seinen Schutz. Eine Maßnahme, die wegen der dauernden kriegerischen Auseinandersetzungen sicherlich ihren Sinn hatte und der Unterstützung des kölner Erzbistums diente (Lacomblet 1840, S. 337, 338).

Gegen Ende des 12. Jahrhundert kam es in der Landschaft zwischen Andernach und Bonn ebenfalls zu verheerenden Kriegszügen in der Folge der Auseinandersetzungen zwischen Philipp von Schwaben und Otto IV. um die Kaiserwürde. Im Sommer 1198 wurden von den Heeren Philipps von Schwaben Remagen und Bonn und zahlreiche umliegende Dörfer verbrannt, wie Ennen schreibt (1968, S. 40), möglicherweise war von diesen Verwüstungen auch Muffendorf wieder betroffen.

Das 13. Jahrhundert

Der romanische Taufstein aus Alt-St. Martin, ehemals im Park der Kommende, befindet sich heute wieder in der alten Kirche (um 1220)
Abb. 14: Der romanische Taufstein aus Alt-St. Martin, ehemals im Park der Kommende, befindet sich heute wieder in der alten Kirche (um 1220)

Bauhistoriker gehen davon aus, dass die Alte St. Martinskirche in Muffendorf zunächst im 10. Jahrhundert oder früher ein turmloser Saalbau mit flacher Decke und Chorquadrat gewesen ist. In der Zeit zwischen 1200 und 1220 wurde sie wohl einer baulicher Erneuerung unterzogen, wobei im Chor die Kreuzrippengewölbe eingezogen wurden und die Apsis entstand (Dehio, Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, NRW 1, München 2005, S. 187, 188). In diese Zeit weisen auch die architektonisch datierbaren Details, wie der Taufstein, die Fenster im Turm, der Altar in der Apsis, die Tür zur Sakristei. Der vermauerte romanische Doppelbogen in der Südwand der Vierung vor der Apsis lässt darauf schließen, dass hier früher einmal ein Ausgang war, wahrscheinlich in der Zeit nach 1200/1220. In der Außenwand ist heute noch eine vermauerte Türe zu erkennen, deren steinerne Schwelle sehr abgetreten ist, die also sehr lange im Gebrauch war. Allerdings scheint diese vermauerte Türe einer späteren Bauphase anzugehören, da sie die Formen der inneren Türbögen nicht berücksichtigt. Was aber dem Umbau von 1200/1220 gelungen ist, ist einen Raum zu schaffen, in dem man sich geborgen und feierlich gehoben zugleich fühlt. Das sucht seinesgleichen. Für die Datierung der Muffendorfer Kirche auf diese Zeit gilt aber, dass bei der Restaurierung der Kirche in den Jahren nach 1910 keine geordnete bauhistorische Untersuchung stattgefunden hat. Im 16. , 17. und 18. Jahrhundert müssen ebenfalls Erweiterungen bzw. bauliche Veränderungen stattgefunden haben, so der Anbau der Sakristei im 17. Jahrhundert (Ennen/Höroldt 1976, S. 54). Wenn die Türe zur Sakristei allgemein dem 13. Jahrhundert zugeordnet wird, muss sie einem anderen Bauzusammenhang entstammen. Fehlende architektonische Anschlüsse, Ungereimtheiten, verschiedene Höhen an- und eingebauter Bauteile, besonders auch im Turm, lassen erkennen, dass zahlreiche Veränderungen durch die Jahrhunderte erfolgt sind, sicher auch schon in der Zeit der frühesten Erwähnung. Zukünftige bau­archäologische Untersuchungen im Zuge einer notwendigen Sanierung werden hierzu genauer zu datierende Ergebnisse bringen können.

Das beginnende 13. Jahrhundert war für Köln und seine Umgebung gekennzeichnet durch eine rasante wirtschaftliche Entwicklung, die wohl auch bis in die kleinen Weiler und Dörfer ausstrahlte. Für den Reichtum der Kölner Bürger des 13. Jahrhunderts wurden die Besitztümer der Overstolzens geradezu sprichwörtlich (Heiko Steuer: Zur Erforschung des Alltagslebens im mittelalterlichen Köln, in: Stadtspuren, Bd. 1, S. 98, 99). Die ersten mechanischen „Maschinen“ wurden eingeführt, Walk- und Getreidemühlen, die Schubkarre und der Webstuhl, der lange Stoffbahnen hervorbrachte im Gegensatz zu stehenden Webstuhl, der nur die Länge eines Kleides zuließ. Alles das erzeugte Reichtum und gehobene Lebensart im Rheinland, wie sie zuletzt bei den Römern üblich gewesen war.

Eine nächste urkundliche Erwähnung Muffendorfs findet sich dann 1225: Im Urkundenbestand von St. Katharinen zu Köln hat sich ein Schriftstück erhalten, das besonders erwähnenswert erscheint. Ein Johann von Moffendorf erhält vom Martinistift zu Lüttich (im heutigen Belgien) 60 Morgen Land, teils Wald, teils Acker, teils Weingewächs zu Muffendorf – frei vom Zehnten gegen jährliche Pacht von 1/2 Ahm guten Weins (Best. 234 Katharina, U 1/8). Zum einen beweist dies, dass das Martinistift zu Lüttich von alters her ebenfalls in Muffendorf sehr begütert gewesen ist. Zum anderen erstaunt die Größe des Pachtgrundstückes. Die Zusammenhänge zwischen Lüttich und Muffendorf sind im Detail noch zu klären, aber auch für die Lütticher Grundherren hätte die alte Muffendorfer Straße von Eckendorf zum Rhein eine wichtige Rolle bei der Erreichbarkeit der Liegenschaften anlässlich der Visitationen spielen können. Bei Edith Ennen (1968, S. 31) findet sich ein Hinweis, der Licht in die Zusammenhänge mit Lüttich bringen kann. Das Bonner Cassiusstift erlebte einen stetigen Bedeutungszuwachs im 10. und 11. Jahrhundert, Ennen schreibt dazu: „Seine Leiter Everacrus (vor 959) und Reginard (vor 1025) wurden Bischöfe von Lüttich“. Erzbischof Brun von Köln (925 – 965) setzte Everacrus in Lüttich ein, jener Brun, der Bruder Kaiser Ottos des Großen war. Everacrus gründete u.a. das Martinistift zu Lüttich, das später nachweislich in Muffendorf, wo es ebenfalls ein Martinspatrozinium gab, begütert war. Bruns Anliegen kann es durchaus gewesen sein, durch die Gründung eines Martinspatroziniums in Lüttich, das zu den ältesten Bistümern im fränkischen Reich gehört, auf die altfränkische Legitimität der Herrschaft seines Bruders Ottos hinzuweisen, den er in karolingischer und sogar merowingischer Kontinuität sah. Da die Mehlemer Kirche als „Mutterkirche“ der Kapellen von Muffendorf und Lannesdorf im „liber valoris“ erwähnt ist, und das Mehlemer Patronat mit dem großen Zehnten seit 959 im Besitz des Lütticher Martinistiftes war, sind enge Beziehungen Muffendorfs ebenfalls nach Lüttich nur folgerichtig (s. Maaßen, S. 265).

Im Jahr 1210 wurde der Grundstein für die Godesburg gelegt, ein Resultat auch der unsicheren Zeitumstände durch kriegerische Ereignisse um die Jahrhundertwende. Muffendorfer Arbeitskräfte werden zu Frondiensten herangezogen worden sein.

Die chronologisch nächste bekannte Urkunde betrifft die Kommende Muffendorf und ist im Jahre 1254 ausgestellt worden, dem Jahr, in dem zum ersten Mal vom „Sacrum Imperium Romanum“, vom „Heiligen Römischen Reich“ die Rede ist. Urkundlich belegt sind eine ganze Reihe von Stiftungen für die Ramersdorfer Kommende im 13. Jahrhundert. Die  für Muffendorf bedeutsame Stiftung vollzog sich eben im Jahr 1254. In diesem Jahr übertrug Abt Gottfried von Siegburg der Kommende (Ramersdorf) zu Händen des Bruders Werner abteiliche Lehnsgüter in Birgel und Muffendorf, die bis dahin in der Hand des Ritters „Theoderich von Muffendorf“ gewesen waren (Düsseldorf, Hauptstaatsarchiv, Abt. Siegburg, Nr. 97 (A)) Damit steht auch fest, dass in Muffendorf bereits im 13. Jahrhundert ein Rittersitz bestanden haben muss, möglicherweise die Burg, die bereits erwähnt wurde und von der später noch die Rede sein wird. Am 22. November 1256 erwarb die Abtei Heisterbach einen Hof in Muffendorf (Wiedemann, S. 104).

Blick auf den Küchentrakt der Kommende (um 1960)
Abb. 15: Blick auf den Küchentrakt der Kommende (um 1960)

In einer Urkunde vom 5. Juni 1281 werden erstmals ein Verwalter und mehrere Brüder in der Kommende Muffendorf erwähnt, so dass sicher ist, dass diese zwischen 1254 und 1281 etabliert worden sein muss (Köln, Historisches Archiv der Stadt , St. Katharinen, Nr. 1/94). Die ersten Komture von Muffendorf waren Heinrich (1284), Bruno (vor 1301), Nikolaus von Mayen (1303), Hartung (1327/33), Arnold von Lülsdorf (1371-73) (NRKB, S. 423). Der Deutsche Orden hatte sich den Standort der Kommende mit Sorgfalt ausgesucht: Die Lage zwischen Godesburg (1210), Tomburg (um 900), Burg Drachenfels (1138) und der Muffendorfer Burg in direkter Nachbarschaft bot den größtmöglichen Schutz im südlichen Rheinland des alten Austrasiens. Seit dem Aussterben der ezzonischen Linie der Pfalzgrafen drohte keine regionale weltliche Macht mehr die Vorherrschaft des Kölner Erzbischof anzugreifen. So konnte der Deutsche Orden davon ausgehen, dass Muffendorf eine sichere Investition sein würde.

Um das Jahr 1270 ist ein Vogt zu Muffendorf nachgewiesen, der drei Söhne hatte: Embrico, Adolfus, Theodoricus, welche sich auf einen Rechtsstreit mit dem Kloster Mariengraden zu Köln eingelassen hatten. Der Rechtsstreit endete in einem Vergleich, die Söhne des Vogtes wurden ausbezahlt (Köln, Hist. Archiv der Stadt, Best. 251 Mariengraden, U1/20, Verlust am 3.3.2009). Der Bezug Muffendorfs zu Mariengraden wird über die bereits oben erwähnte Richeza, Enkelin der Theophanu und Tochter des Pfalzgrafen Ezzo von Lothringen, und über Erzbischof Anno bestanden haben. Sowohl über die Ottonen wie auch über die Karolinger besaß Richeza eine kaum zu überschätzende Bedeutung für das Rheinland. Mit ihrer Bautätigkeit in Brauweiler setzte sie Zeichen und wurde von Erzbischof Anno u.a. mit dem Besitz von Gütern in Muffendorf für ihre Güter in Saalfeld und Coburg abgefunden. Sie fand ihr Grab zunächst in Mariengraden zu Köln, wohin auch ihr Nachlass ging. Später (im Zusammenhang mit der Sprengung der Kirche im Jahr 1817) wurden ihre sterblichen Überreste in den Kölner Dom überführt. Dass sie nicht ihrem Wunsch entsprechend in Brauweiler, der Hausstiftung der Ezzonen, beigesetzt wurde, hatte seinen Grund in einem Vertrag, den Erzbischof Anno geschickt am 29. Juli 1057 gezeichnet hatte. Darin war festgelegt, dass „das Kloster das Gut Klotten erhalten sollte, das die Grabesstätte Richezas würde“ (Gerstner 1941, S. 31). Richeza hatte selbstverständlich davon ausgehen können, dass man sie in der ezzonischen Stiftung Brauweiler beisetzen würde. Dies verhinderte Anno, um die reichen Besitztümer Richezas an der Mosel (Klotten) für seine Stiftung Mariengraden in Köln (1057) zu sichern.

Die Eltern Richezas hatten in der Zeit um 1000 auf der Tomburg bei Rheinbach-Wormersdorf residiert, die Stammsitz der Ezzonen und eine wichtige Befestigung an der Aachen-Frankfurter Heerstraße war. Von der Tomburg und der Siegburg aus wurden die wichtigen Straßen des Mittelalters in der Region überwacht (s.o.). Zu diesen wichtigen Straßen des Mittelalters gehörte eben auch die Straße von Eckendorf nach Muffendorf.

Bisher kennen wir die mittelalterliche Geschichte der Burg zu Muffendorf nicht. Aber der tradierte Begriff „Helenaburg“ (Dietz, Josef: Sagen und Geschichten aus Godesberg-Muffendorf, in: Godesberger Heimatblätter 12, S. 112 ff., hier S. 120) weist auf ein sehr hohes Alter der untergegangen Burg hin. Die Ezzonen betrieben in der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts einen systematischen Ausbau ihrer Herrschaftssitze. Beuckers stellt in diesem Zusammenhang fest: „Insgesamt lässt sich für die ripuarische Region ein systematischer Ausbau der Herrschaftssitze durch Ezzo feststellen, der wohl dem Territorialausbau diente. Diese Burgen scheinen im Wesentlichen ältere Anlagen gewesen zu sein, die über die verschiedenen Grafenrechte oder aber das Pfalzgrafenrecht {Aachen} an Ezzo gekommen sind. Ihr Ausbau kann als ein wesentlicher Bestandteil des Landesausbaus im 11. Jahrhundert gelten“ (S. 65, 66). Möglicherweise ließen die Ezzonen in Muffendorf eine befestige Anlage erstellen, um von hier aus die strategisch wichtige Strasse nach Eckendorf sichern zu können. Denn spätestens mit den Normanneneinfällen und der Verwüstung des Klosters in Prüm (881) war man sich über die Gefahren, die diese Straße barg, bewusst. Die untergegangene Burganlage in Muffendorf müsste dann auf die Zeit vor 1055 zurückgehen. Dies bleibt weiteren Forschungen vorbehalten nachzuweisen. Für die Zeit typisch wäre ein mächtiger Wohnturm, aus Steinen gefügt, der als Wohnsitz einer adeligen Familie diente. Die Formen hat man sich sehr einfach vorzustellen, die Mauern bestanden meist aus unbehauenen kleinformatigen Natursteinen, die vermörtelt wurden. Wenige Fenster- und Türöffnungen boten kaum Licht, aber Schutz vor ungebetenen Eindringlingen. Eine Überlieferung, die Parallelen aufweist, ist für St. Jakob in Alfter-Gielsdorf bekannt, der Turm der Kirche soll ebenfalls auf eine ezzonische Burg- bzw. Befestigungsanlage zurückgehen.

Auf die spätere Geschichte der Muffendorfer Burg wird weiter unten noch ausführlich eingegangen. Ezzos Sohn Hermann, späterer Erzbischof von Köln, hat jedenfalls besonderes Augenmerk dem Ausbau Bonns als Wirtschaftsstandort gewidmet, nach Ennen ist er es, der zwischen 1036 und 1056 der Stadt die Marktrechte verliehen haben könnte. Damit wird die besondere Bedeutung Bonns und seines Umlandes für die Ezzonen wiederum unterstrichen. Auch ist ein Aufenthalt Hermanns für 1054 in Bonn nachgewiesen.

Die Geschichte der Ezzonen und Ihres Stammsitzes, der Tomburg, ist bereits erwähnt worden. Die Burg scheint aber noch länger eine Rolle im Rheinland gespielt zu haben. Am 18. Januar 1289 erklärt ein Ritter Hermann von Tomburg, die Kommende Muffendorf und ihre Besitzungen, die in seinem Territorium liegen, unter seinen besonderen Schutz nehmen zu wollen. Auch dies wieder ein Beleg dafür, dass Muffendorf mit der Herrschaft Tomburg eng verbunden war (Köln, Historisches Archiv der Stadt Köln, Best. 234 Katharinen, U1/117). Über das weitere Schicksal der Burg im Mittelalter ist bisher nichts bekannt. Ein Bedeutungsverlust kann bereits ab 1210 eingetreten sein, als Dietrich von Hengebach auf dem Godesberg eine Höhenburg erbauen ließ. Auch das Aussterben der Ezzonen macht es wahrscheinlich, dass ein weiterer Ausbau der Burg zu Muffendorf nicht mehr stattfand. Annos Interesse galt der Siegburg.

Das späte Mittelalter - das 14. Jahrhundert

Am 8. Januar 1302 verkauft Palmia von Muffendorf, Witwe des Tilmann Scholer, eine Haus- und Hofstätte an die Kommende (Köln, Historisches Archiv der Stadt, Best. 234 Katharinen, U 1/166).

Eine Urkunde von 1327 belegt, dass auch die Abtei Heisterbach noch in Muffendorf begütert gewesen ist (Köln, Historisches Archiv der Stadt Köln, Best. 234 Katharinen, U1/259).

Seit 1342 besaß die Deutschordenskommende Muffendorf ein Haus in Bonn in der Straßburger Gasse (vor 1750 umbenannt, heute Am Hof) wohin die Wirtschaftsgüter (wohl vor allem der Wein aus der Region) eingelagert wurden bevor sie in den Handel gelangten (NRKB, S. 423). Laut Ennen gehört das Haus in der Straßburger Gasse der Ramersdorfer Kommende. Dieser Widerspruch ließ sich nicht aufklären. Ein weiteres Haus des Deutschen Ordens befand sich in der heutigen Bonngasse und wurde nach der Säkularisierung das Wohn- und Geschäftshaus des Verlegers Nikolaus Simrock (Ennen/Höroldt 1968, S. 153).

Der Weinbau in Muffendorf und den benachbarten Dörfern spielte eine wichtige Rolle. Eine Urkunde von St. Katharinen zu Köln, dem Sitz des Deutschen Ordens dort, überliefert einen Vergleich zwischen dem Ehepaar Strugilberg und der Muffendorfer Kommende wegen der Pacht von Weingärten zu Lannesdorf vom 30. November 1349 (Köln, Historisches Archiv der Stadt , St. Katharinen, Best. 234, Nr. U 2/339).

Exkurs zu den bekannten Seuchenzügen: 1349 war auch das Jahr der ersten Pestwelle, die über Bonn und das Umland hinweg zog. Spezielle Nachrichten hierzu aus Muffendorf liegen nicht vor. Ebenso wenig ist etwas bekannt über die Folgen der Pestwellen von 1451 und 1666.

Wenige Jahre später, am 7. Dezember 1355, wird beurkundet, dass Johann von Xanctis, Vogt zu Muffendorf, und seine Frau der Kommende drei Morgen Ackerland in Muffendorf verkaufen (Köln, Historisches Archiv der Stadt , St. Katharinen, Best. 234, Nr. U 2/357). Für das Jahr 1356 ist für Muffendorf ein zinspflichtiges Kelterhaus nachgewiesen, das dem Kölner Kloster St. Klara geschenkt wird (Köln, Hist. Archiv der Stadt, Best. 235, St. Klara, U1/59, Verlust am 3.3.2009). Die Schwestern von St. Klara (1306 geweiht) entstammten dem Adel, Hochadel und dem Kölner Patriziat. Es war eines der renommiertesten Frauenklöster in Köln und erhielt zahlreiche Zustiftungen, so auch das erwähnte Muffendorfer Kelterhaus.

Im Jahr 1362 (am 13. September) erhielt die Deutschordenskommende in Muffendorf Weingüter zu Ramersdorf. Die Erträge dieser Weingüter dienten der finanziellen Ausstattung der Kommende Muffendorf und bildeten einen wesentlichen Baustein für den Fernhandel, den der Deutsche Orden von Koblenz aus mit Hilfe seiner Rheinflotte, die aus fünf Schiffen bestand, betrieb (Kat. DO, S. 18, 110). Was den Zehnten aus der Landwirtschaft in Muffendorf anging, so hatte der Kölner Erzbischof in einem bekannten Fall das letzte Wort: Eine Zehntpflichtige namens Gertrud hatte im März 1365 aus ihren 60 Morgen Ackerland, Weinbergen und Wald, gelegen zwischen Muffendorf und Lannesdorf, ihren Zins abzuführen. Aber die Frau weigerte sich, die Steuern zur Pfarre nach Mehlem zu geben. Erzbischof Engelbert (III. von der Mark, 1363 –1369)  schlichtete den Streit, in dem er den Johann von Oppenheim, Vikar am Dreikönigsaltar zu Bonn, ermächtigte, den Zehnten als Geschenk für den Dreikönigenaltar im Bonner Münster anzunehmen (Köln, Hist. Archiv der Stadt, Best. 210, U 1/ 12311). Diese Urkunde aus dem Kölner Domstift beleuchtet möglicherweise die Auseinandersetzungen zwischen Muffendorf und Mehlem, von denen in späteren Jahren immer wieder die Rede ist. Offensichtlich war die Muffendorferin Gertrud der Meinung, dass der Zehnte jedenfalls nicht nach Mehlem gehörte. Ob es sich wirklich um einen Vikar an einem Bonner Dreikönigenaltar des Münsters gehandelt, oder ob es nicht vielmehr um den Kölner Dreikönigenaltar im Dom ging, dies läßt sich derzeit nicht eindeutig klären. Jedenfalls ist bei Maaßen (S. 121) ein Dreikönigenaltar im Bonner Münster für das 18. Jahrhundert nachgewiesen. Es ist durchaus möglich, dass bereits im 14. Jahrhundert ein solcher Altar im Münster vorhanden gewesen ist.

Der Weinbau im 14. Jahrhundert war einträglich, wie auch eine Urkunde aus St. Cäcilien in Köln (ehemals Damenstift, ab 1474 Kloster der Augustinerinnen, beherbergt es heute das Schnütgen-Museum) beweist: Am 6. Februar 1367 erhalten die Eheleute Gertrud und Hube Gobel zu Muffendorf einen Weingarten aus dem Stiftsbesitz, genannt Steinwingert, zur Erbpacht. Als Sicherheit für diesen Weingarten müssen sie ihr Haus auf der Kreuzgasse (heute Am Gässchen, früher Kreuzstrasse, mundartlich Krüzzejässche) einsetzen (Köln, Historisch Archiv der Stadt, Best. 207, AS 115). Damit gehört die Straße „Am Gässchen“ zu den ältesten Straßen des Dorfes.

Im Jahre 1385 scheint der oben erwähnte Streit zwischen Muffendorf und Mehlem eskaliert zu sein. Ein Gerichtsurteil vom 28. Juni 1385 verpflichtet den Pfarrer von Mehlem und Muffendorf, zukünftig auch in Muffendorf sein Pfarramt zu versehen. Denn Muffendorf habe eine eigene Kapelle mit Taufstein, Glocken, Kelch, Büchern und Zierrat, und der Pfarrer sei verpflichtet, auch hier seines Amtes zu walten (Köln, Hist. Archiv der Stadt, Best. 210 Domstift,  U3/, Verlust 3.3.2009).

Eine Urkunde vom 8. August 1396 erwähnt schon Wiedemann ausführlich, denn es handelt sich um den Hinweis auf Johann von Muyffendorf, der der Stadt Köln Fehde ansagte. Wiedemann vermutet, dass dieser Johann Inhaber des Rittersitzes in Muffendorfes gewesen sein könnte (S. 110).

Der Wohlstand im mittelalterlichen Muffendorf gründete sich auf einer erfolgreichen Landwirtschaft, insbesondere der Muffendorfer Wein muss von recht guter Qualität gewesen sein. Wiedemann erwähnt eine Weinrechnung aus dem Jahre 1397, wonach für zwei Fuder (heute je 1000 L.) Muffendorfer Weines insgesamt 31 Gulden (Rheinische und Ungarische G.) gezahlt wurden. Geht man davon aus, dass der Goldanteil dieser beiden Gulden um 1397 in etwa gleich hoch gewesen ist, nämlich 3,35 g Feingold, so wäre der Preis für 2000 Liter Muffendorfer Weines insgesamt beim Goldwert Stand Juli 2010 (1g Feingold: 33,00 Euro) umzurechnen in 3.427,05 Euro (1 Liter = 1,71 Eur.). Zum Vergleich: im Juli 2010 bezahlte man für das Fuder 2009er Riesling an der Mosel 700 Euro, das wären ca. 6,33 Rheinische/Ungarische Gulden beim Goldpreis vom Juli 2010 als Äquivalent.

Das 15. Jahrhundert

Die nächste Urkunde stammt aus dem 15. Jahrhundert: Im Jahr 1417 ist auch das Allerheiligenspital zu Köln in Muffendorf begütert (Köln, Hist. Archiv der Stadt, HUA, Teil 3, U3/8813). Bereits 1418 erscheint die nächste Nachricht, die erkennen lässt, dass die Deutschordenskommende in Muffendorf, erst nach 1254 erbaut, bereits baufällig geworden war und einzustürzen drohte. Eine Begehung mit dem „Kellner von Godesberg und Muffendorf“ fand im Mai 1418 statt. Bereits im Sommer scheint man mit den Sanierungsarbeiten begonnen zu haben, denn eine weitere Urkunde vom 13. Juli 1418 erwähnt die Verpachtung eines Grundstücks, das zum Neubau des Deutschordenshauses notwendig geworden war (Köln, Historisches Archiv der Stadt Köln, Best. 234 Katharinen, U1/563, 565).

1450 gehört Muffendorf zum Verwaltungsbezirk der Godesburg (Haentjes, 1960, S. 60). Eine Urkunde vom 15. Juni 1458 informiert darüber, dass der Deutsche Orden durch den Dreizehnjährigen Krieg in Preußen in finanzielle Schwierigkeiten geraten war. Der Hof zu Muffendorf (wohl die Kommende) sollte für 3.160 Goldgulden an das Marienforster Kloster verkauft werden. Die Urkunde gibt genauen Aufschluss darüber, welche Liegenschaften zum Hof gehörten, insgesamt handelte es sich um 345 Morgen Ackerland, 200 Morgen Wald und erhebliche Pacht- und Zinseinkünfte (Kat. Der Deutsche Orden, S. 23). Allerdings ist es nicht zum Verkauf gekommen. Die Gründe dafür liegen im Dunkeln (Köln, Historisches Archiv der Stadt , St. Katharinen, Best. 234, Nr. U 3/681). Aus der selben Urkunde geht allerdings hervor, dass der Abt des Klosters Siegburg, Wilhelm von Büllesheim, Lehnherr „etliger der vurß guederen zu Moffendorp“ gewesen ist. So wird auch hier die besondere Bedeutung der Muffendorfer Ländereien für Siegburg deutlich. Allein 45 Namen von Pächtern in Muffendorf sind aufgelistet, darunter auch ein Propst Wijnrich zu Muffendorf und ein Junker Jakob van Emb. Einige Straßennamen sind ebenfalls genannt, so die Hohle Gasse (Holenwege), Enggasse (Engergassen), Gringsstraße (Grijngsgassen), Benngasse (Penngassen), Im Proffen (In der Proffen, heute Elisabeth-Mayer-Str.), Etzendaill (Im Etzental), Hundsgasse (Huntzgassen, heute Am Helpert), Ellig (Elliger Höhe). So können wir davon ausgehen, dass das Dorf im 15. Jahrhundert recht ansehnlich gewesen ist, und dass die heute noch teilweise erhaltene Struktur bereits damals angelegt gewesen ist.

Muffendorfer Straßen im 15. Jahrhundert
Abb. 16: Muffendorfer Straßen im 15. Jahrhundert

Im späteren Mittelalter wurde die Wegeverbindung nach Ahrweiler offenbar bedeutsamer als die nach Eckendorf. In der Kaufurkunde des Klosters Marienforst von 1458 wird ein „Arwylre pat“ (Ahrweiler Pfad) genannt, der wahrscheinlich bis zum Ahrweiler Abzweig in Eckendorf identisch war mit der Straße nach Eckendorf (Arnold 2000, S. 135).

Einige Jahre später, am 6. Mai 1486,  tritt Muffendorf wieder urkundlich in Erscheinung: erwähnt wird eine Auseinandersetzung zwischen Verwandten, in die auch der Komtur des Deutschordenshauses zu Muffendorf involviert ist (Köln, Historisches Archiv der Stadt , St. Katharinen, Best. 234, Nr. U 1/766). Schon 1496, am 18. Juli, wird der „Hof zu Muffendorf“ (gemeint ist wohl die Kommende), an Gottschalk Kempen verpachtet (Köln, Historisches Archiv der Stadt , St. Katharinen, Best. 234, Nr. U 1/785).

Auch scheint gegen Ende des 15. Jahrhunderts der Waldfrevel ein Problem gewesen zu sein. Das Gericht zu St. Cassius in Bonn fällt ein Urteil gegen den Probst Theoderich Roerich zu Muffendorf zugunsten des Klosters Maria im Kapitol zu Köln, dem es offenbar gelungen war, das Gericht von seinen Holzrechten am Kottenforst zu überzeugen (Köln, Hist. Archiv der Stadt, Best. 247 Maria im Kapitol, U2/147a, Verlust am 3.3.2009).

Es bestanden also schon im Mittelalter vielfältige enge Verbindungen nach Köln, dessen Klöster und Stifte bedeutenden Haus- und Grundbesitz in Muffendorf hatten, und nach Aachen, wo das Marienstift vom „Neunten“ profitierte. Selbst das Martinistift zu Lüttich war in Muffendorf begütert.

Aber auch das Bonner Cassius-Stift, das an Gütern reichste Stift in Kurköln, unterhielt einen Hof in Muffendorf, der noch bis ins 19. Jahrhundert bestanden hat. Zu den letzten Pächtern des Hofes gehörte der Ur-, Ur-Großvater des Malers Peter Schwingen, Johannes Schwingen. Die Familie Schwingen blieb Pächter des Hofes wahrscheinlich bis 1782. Auf dem Lageplan des Ehmanschen Flurkartenatlasses findet sich gegenüber der Kommende für einen Hof der Eintrag „Joann/Johann Schwingen“. Es ist wohl folgerichtig, daraus zu schliessen, dass wir hier den mittelalterlichen Hof des Cassiustiftes erkennen können, der somit in direkter Nachbarschaft zum Haus des Deutschen Ordens und zum Siegburger Hof gelegen hätte (Strack, Flurkartenatlas, S. 66, S. 70). Das zugehörige giebelständige Fachwerkhaus dieses Hofes wurde vor 1910 niedergelegt und durch einen zweigeschossigen Ziegelbau ersetzt, dessen Grundmauern aus den Basaltsteinen der teilweise niedergelegten Einfassungsmauern des ehemaligen Kommendeobstgartens an der Klosterbergstraße bestehen.

Es bleibt festzuhalten, dass die bedeutendsten rheinischen Stifte des Mittelalters Rechte oder Liegenschaften in Muffendorf besaßen: das Marienstift zu Aachen und St. Cassius und Florentius zu Bonn. Allein dies lässt schon darauf schließen, dass Muffendorf bereits seit dem frühen Mittelalter eine gewisse Bedeutung gehabt hat. Dies ist im Zusammenhang mit Alt St. Martin und der untergegangenen Burg zu sehen.


Bildnachweis: Abb. 8, 14, 15 mit freundlicher Genehmigung des Vereins für Heimatpflege und Heimatgechichte Bad Godesberg e.V.; Abb. 9, 11 Lars Bergengruen; Abb. 10 Darstellung auf Grundlage der Stadtkarte Bonn mit Genehmigung des Kataster- und Vermessungsamtes der Bundesstadt Bonn vom 31.1.01 Nr. 103/01; Abb. 12, 16 Copyright Pia Heckes, Zeichnung Karin Lange (2012); Abb. 13, Stadtarchiv Bonn