Peter-Schwingen-Gesellschaft Bonn - Bad Godesberg e.V.

Neuveröffentlichung

Horst Heidermann:
Louis Ziercke - Maler am Rhein
Mit einem Vorwort von Pia Heckes
80 S., mit 62 Abbildungen, davon 35 in Farbe
Hg. von der Peter-Schwingen-Gesellschaft Bonn-Bad Godesberg
im Rheinlandia-Verlag Klaus Walterscheid Siegburg
VK-Preis 12,- €
ISBN 3-935005-78-4

Der rheinische Maler Louis Ziercke (1887-1945) kam aus dem Godesberger Handwerkermilieu. Dem entsprach es, dass er eine Fortbildung als Dekorationsmaler an der Kunstgewerbeschule in Düsseldorf anstrebte. Der Einfluss seines Lehrers Fritz H. Ehmcke und des Schulleiters Peter Behrens zeigte sich bald. Ziercke wandte sich dem Studium der Graphik und Schriftgestaltung bei Ehmcke zu und wollte sich aufgrund dieser Ausbildung in Godesberg als Werbegraphiker selbstständig machen. Der Erfolg blieb aus, weil es im näheren Umkreis zunächst nicht genügend interessierte und zahlungskräftige Kunden gab. Ziercke hat aber später neben seiner Malerei immer wieder graphische Gestaltungsaufträge ausgeführt.

Die Ausbildung in Düsseldorf hat auch die Grundlagen von Zierckes malerischem Können gelegt. Er ging von 1911-1914 zur Weiterbildung nach Berlin und studierte u. a. bei Lovis Corinth. Wahrscheinlich waren es wirtschaftliche Gründe, die ihn zwangen, nach Godesberg zurückzukehren. Ziercke hat in den folgenden Jahrzehnten nicht versucht, wieder aus der Enge des heimatlichen Städtchens dauerhaft auszubrechen. Krieg und Nachkriegszeit waren dazu auch nicht angetan. Damit ist bereits einer der Gründe angezeigt, warum der Maler in der überregionalen Kunstszene weitgehend unbekannt blieb. In Godesberg und im rheinischen Umfeld konnte er aber im Laufe der Jahre viele Freunde seiner Kunst gewinnen.

Seine Erfahrungen in Berlin und die Kenntnis der Maler der Berliner Sezession verarbeitete Ziercke zu einer modernen Gestaltung, die zwar dem Realismus verbunden blieb, aber die stilistischen Mittel des Impressionismus und des Expressionismus kühn und vorbehaltlos einsetzte. Thematische Schwerpunkte des Ouevres waren Landschaften, Menschen in der Landschaft, Tierbilder und Blumenbilder. Die Blumenbilder waren trotz ungewöhnlicher und keineswegs portraitgenauer Malweise auch in Godesberg und Umgebung gut zu verkaufen und trugen wie die Werbeaufträge wesentlich mit dazu bei, das Familieneinkommen zu sichern. Wenn absolute Ebbe in der Kasse war, arbeitete Ziercke als Dekorations- und Theatermaler. Große Jahre seines Schaffens waren die Zeit zwischen 1920 (Heirat) und 1925 sowie Anfang der 30er Jahre. Landschaften, Menschen und Tiere werden als Typen aufgefasst. Das Colorit nimmt wenig Rücksicht auf die Lokalfarben. Ein typisierender, reduzierender Realismus verbindet sich mit einer insofern gebundenen, dennoch primär malerisch bestimmten Farb- und Formgebung. In diesem Sinne experimentierte Ziercke immer wieder. Er blieb ein Maler zwischen den Stilen und ist keiner der gängigen Kategorien der Kunstgeschichte zuzuordnen. Hier lag und liegt wohl ein weiterer Grund seiner schwierigen Rezeption.

Der Verfasser der ersten persönlichen und künstlerischen Biographie konnte sich auf den umfangreichen künstlerischen Nachlass Zierckes stützen. Die rein persönliche Überlieferung ist weniger dicht, reichte aber, um die Ausbildungzeit in Düsseldorf und Berlin, die wichtigen Schaffensperioden in Bad Godesberg und die Mitte der 30er Jahre einsetzende Erlahmung des künstlerischen Impetus deutlich zu machen. Aus den einzelnen Arbeitsperioden des Künstlers und den Werktypen werden zahlreiche Beispiele vorgestellt. Die Veröffentlichung will den Anstoß dazu geben, dem zu Unrecht vergessenen Künstler aus der "verlorenen Generation" seinen ihm gebührenden Platz in der Geschichte der rheinischen Kunst zu schaffen.

Zurück